Donnerstag, 9. Januar 2020
Mittwoch, 8. Januar 2020
Dann ging den Wikingern das Elfenbein aus...
Erst verschwanden die Walrosse, dann Grönlands Wikinger
Lange sicherte der Handel mit Walross-Elfenbein das Überleben der Grönländer. Doch dann brachten sie sich selbst um ihre wichtigste Ressource. War die Globalisierung schuld?
von Jan Dönges
Globalisierung, klimatische Veränderungen und ein nicht nachhaltiger Umgang mit Ressourcen: Die drängend- sten Probleme unserer Zeit machten offenbar auch jenen Nordmännern zu schaffen, die sich auf Grönland nie- dergelassen hatten. Und womöglich war es die Kombination genau jener drei Faktoren, die dazu führte, dass die Siedler nach über vier Jahrhunderten spurlos von der Insel verschwanden. Das legt zumindest eine aktuelle Studie nahe, für die Forscher das Alter und die Herkunft von 67 mittelalterlichen Exemplaren von Walross-Elfenbein analysierten.
Das Elfenbein aus den Zähnen der Walrosse war als Luxusgut in Europa hoch begehrt und praktisch einziges Handelsgut der Grönländer. Um die Tiere zu erlegen, unternahmen die Nordmänner ab der Mitte des 12. Jahr- hunderts alljährlich ausgedehnte Jagdzüge entlang der Küsten. Doch wie James Barrett von der University of Cambridge und Kollegen nun im Journal »Quaternary Science Reviews« feststellten, stammte das Material, das in den europäischen Handel kam, mit der Zeit immer häufiger von Weibchen, die zudem nur eine geringe Körpergröße aufwiesen und weit im Norden lebten. Das sei ein typisches Zeichen für eine nicht nachhaltige Jagd, die die Bestände plündert und den Tieren zu wenig Zeit zur Erholung gibt.
Damit dürften sich Vorgänge wiederholt haben, die in ganz ähnlicher Form weiter östlich in Island stattfanden: Auch hier trieben die Nordmänner das Walross an den Rand der Ausrottung oder darüber hinaus.
Vermutlich, so das Wissenschaftlerteam, wurden die Walrosse in den südlichen Küstenabschnitten Grönlands zunehmend seltener, was die Jäger zu immer weiteren, gefährlichen Expeditionen trieb. Irgendwann sei die Walrossjagd nicht mehr rentabel gewesen.
Dass auch eine nachhaltige Jagd auf Walrosse möglich war, hatten die Nordmänner in den ersten gut hundert Jahren bewiesen, in denen sie diese Ressource ausbeuteten. Ein Auslöser der Überjagung könnte in politischen Vorgängern viel weiter südlich liegen: Neue oder wiedereröffnete Handelsrouten sorgten dafür, dass mit einem Mal indisches und afrikanisches Elfenbein in Europa verfügbar wurde. Womöglich reagierten die Grönländer auf Konkurrenz und sinkende Preise, indem sie noch mehr der ohnehin geschwächten Walrosse erlegten.
Als im Jahr 1350 ein norwegischer Priester Westgrönland besuchte, fand er in den Siedlungen schließlich keinen lebenden Menschen mehr vor. Anhaltspunkte, wohin sie gegangen waren und warum sie ihre Gehöfte aufgege- ben hatten, hinterließen die »Grænlendingar« nicht. Nur weiter im Osten bestanden wohl zu jener Zeit noch Siedlungen – bis auch sie verschwanden. Vermutlich hatte die kleine Eiszeit, während der auch auf Grönland die Temperaturen absanken, zu einer weiteren Verschlechterung der ohnehin schwierigen Lebensbedingungen geführt.
Dienstag, 7. Januar 2020
Wer die korrekte Gesinnung hat...
...darf sich schonmal bissel was mehr rausnehmen als gewöhnliche Leute. Ja, wenn Erwachsene sowas singen wür- den! Aber es waren ja Kinder mit dem Timbre der Unschuld.
Nur ist das kein Kinderchor, den du da so abscheulich kreischen hörst, liebste Schwester, das ist ein ganz reiner Mädchenchor.
Montag, 6. Januar 2020
Neolithischer Kolonialismus.
Sehnen wurden vom Knochen geschnitten, die Schädel skalpiert
Rund tausend Menschen wurden um 5000 v. Chr. in der Pfalz Opfer brutaler ritueller Gewalt. Wurden hier Jäger von frühen Bauern massakriert? Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um das Ergebnis eines verstörenden Kulturbruchs handelt.
Von Florian Stark
Um die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert zu beschreiben, wählte der bekannte amerikanische Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington 1996 das Bild vom „Clash of Civilizations“ (Kampf der Kulturen). Damit prognostizierte er, dass sich nach dem Ende des Ost-West-Gegensatzes Konflikte an den Bruchlinien historisch gewachsener Kulturen entzünden würden, ein Szenario, das durch die aufkommende Frontstellung zwischen westlicher und islamischer Welt trefflich belegt zu werden scheint.
Dass derartige Zusammenstöße keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal der globalisierten Gegenwart sind, zeigt ein grausiger Fund, der seit 1996 bei Arbeiten auf einem Gewerbegebiet im südpfälzischen Herxheim südlich von Landau ans Licht kam: Systematisch zerbrochene und mit scharfen Steinklingen entfleischte Menschenknochen zeugen von einem blutigen Ritual, dem vor etwa 7000 Jahren schätzungsweise tausend wenn nicht mehr Menschen zum Opfer gefallen sind. Inzwischen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich um das Ergebnis eines verstörenden Kulturbruchs handelt, als Folge eines regelrechten „Clash of Cultures“.
„Wir sehen die Reste eines vermutlich einzigartigen Rituals mit Menschenopfern“, sagt Lhilydd Frank, Leiterin des Museums von Herxheim. Hier werden exemplarisch zahlreiche Knochen präsentiert. Daneben liegen die Scherben von Prunkbehältern in den Vitrinen, die die markanten linienbandkeramischen Verzierungen tragen, die der ersten bäuerlichen Kultur in Europa den Namen gegeben haben. Denn diese Bandkeramiker führten das Bündel der Neolithischen Revolution – Ackerbau, Sesshaftigkeit, Keramikherstellung, Domestizierung – mit sich, die sich seit etwa 7000 v. Chr. im Nahen Osten ausgebreitet hatte.
Von einem „europäisch einmaligen Fund“ spricht Lhilydd Frank. „Von den Tätern haben wir die Keramik, die uns entscheidende Einblicke gibt, aber sterbliche Überreste liegen nur von den Opfern vor.“ Denn neue Untersuchungen zeigen, dass die Toten von Herxheim offenbar nicht aus der Gruppe der Täter stammten.
„Naturwissenschaftlichen Analysen zufolge stammten die Opfer aus dem Mittelgebirge“, sagt Bettina Hünerfauth von der Außenstelle Speyer der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE). Mittelgebirge bedeutet etwa Vogesen oder Schwarzwald, Räume, in die sich die Gruppen der Jäger und Sammler zurückgezogen hatten, als die ersten Bauern aus Anatolien und dem Balkanraum nach Mitteleuropa gelangten. Genetische Untersuchungen zeigen, dass sich beide Gesellschaften kaum miteinander vermischt haben.
Machten Bandkeramiker also regelrecht Jagd auf diese Wanderer? „Wir werden es wohl nie mit Sicherheit wissen“, sagt die Archäologin. Klar sei aber, dass die Menschen innerhalb von maximal 50 Jahren getötet wurden. „Vielleicht auch innerhalb nur einen Jahres. Wir reden über ein unglaublich makaberes Ritual.“
Die Opfer wurden behandelt wie Tiere beim Schlachten
Es blieb nicht beim Töten. Die Opfer wurden behandelt wie Tiere beim Schlachten, beschreibt die Archäologin und GDKE-Projektleiterin Andrea Zeeb-Lanz den Befund. Akribisch wurden Fleisch und Sehnen vom Knochen geschnitten, auch die Augäpfel wurden entfernt und die Schädel skalpiert, dann wurden alle Knochen zusätzlich zertrümmert. Zahlreiche Schädeldächer wurden mit präzisen Schlägen abgetrennt, um als Gefäße für unbekannte Zeremonien zu dienen.
Allerdings widerspricht Zeeb-Lanz der These des französischen Anthropologen Bruno Boulestin, dass vor gut 7000 Jahren Linienbandkeramiker aus mehreren Regionen in Herxheim zusammenkamen, um in einem unbarmherzigen Ritual etwa 1000 Fremde aus einem „höheren Grund“ zu opfern und dann zu essen. Als Beleg verwies Boulestin auf die Spuren von Feuer an den Knochen. „Tatsächlich zeigen untersuchte Vorderzähne Brandspuren, aber die Backenzähne sind ebenfalls verbrannt. Das deutet eher darauf hin, dass der Kopf in diesem Moment kein Fleisch mehr trug“, meint dagegen Museumsleiterin Frank. „Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass in Herxheim Menschen am Spieß gebraten wurden.“
Die beiden Oberschenkelknochen weisen deutliche Schnittspuren auf
„Was wir anhand der Forschung sagen können, ist, dass verschiedene bandkeramische Kulturen damals zu einem Ritual zusammengekommen sind, das offensichtlich Menschenopfer beinhaltete. Dafür haben sie nicht ihre eigenen Gruppenmitglieder geopfert, sondern Fremde“, sagt Frank. Die Keramik deute darauf hin, dass dazu Menschen aus Gegenden von bis zu 400 Kilometern nach Herxheim kamen. „Das war damals ein enormer logistischer Aufwand. Die Leute mussten ja irgendwie von dem Ritual erfahren. Ohne Netzwerke und Kontakte konnte das nicht passieren.“
Für eine krisenhafte Zeit spricht auch die Klimageschichte. Das durchgehend warme Wetter in Europa wurde um 5000 v. Chr. von massiven Schwankungen mit trockenen Sommern und kälteren, feuchten Wintern abgelöst. Schlechte Ernten dürften Kämpfe um schwindende Ressourcen provoziert haben, die auch in der Sphäre der Religion geführt wurden.
Dass es zu jener Zeit zu erheblichen Konflikten gekommen ist, belegen auch die 34 Skelette, die 1983 bei Talheim in Baden-Württemberg entdeckt wurden. Auch sie zeugen von brutaler Gewalt, allerdings fielen die Menschen nicht einem Ritual zum Opfer, sondern kamen beim Angriff auf ein Dorf ums Leben. Dieses Massaker von Talheim ist Thema einer Ausstellung, die vom 31. Januar 2020 an im Museum von Herxheim zu sehen sein wird.
Nota. - Ohne die neolithische Revolution, die in Europa das Mitbringsel von Kolonisatoren war, hätte es keinen Fortschritt gegeben, kein Vernunftzeitalter, keine Menschenrechte. Doch aus der Nähe betrachtet, nimmt sie sich eher wie eine Katastrophe aus.
JE
Donnerstag, 2. Januar 2020
Ach, Diskriminierung...
aus nzz.ch, 1.1. 2020
von Jonas Hermann, Dortmund
Bei seiner ersten Sprechstunde als Professor für Erziehungswissenschaft rechnete Ahmed Toprak nicht mit Besuchern. Dann erschienen zwei türkische Frauen, die nur eine Frage hatten: «Wie wird man als Türke Professor?» Später schrieben die beiden bei ihm ihre Diplomarbeiten. Sie passen perfekt zu seiner Beobachtung, dass muslimische Eltern ihre Töchter ganz anders erziehen als ihre Söhne. Den Mädchen würden Eltern die charakterlichen Grundlagen für eine Bildungskarriere vermitteln – die Jungen würden sie hingegen oft zu schwer integrierbaren Bildungsverweigerern erziehen.
Toprak stört sich daran, dass deren Schwierigkeiten häufig mit Diskriminierung erklärt werden. Die gebe es zwar, entscheidend sei aber das Elternhaus. Dort hat er problematische Muster beobachtet: Wenn sich die Jungen danebenbenehmen, hat dies oft keine Folgen. Dahinter stecke die Vorstellung, dass ein Mann Aggressivität verströmen soll, um seine Familie zu schützen. Wenn sich Lehrer beschweren, werden die Buben meistens in Schutz genommen und nicht mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert. Anders sieht es bei den Mädchen aus: Sie werden zu Disziplin angeleitet, sollen ordentlich und zuverlässig sein. Unbewusst fördern die Eltern damit Charaktereigenschaften, die im Bildungssystem nützlich sind. Möglicherweise liegt darin der Grund, dass türkische Mädchen in Deutschland häufiger Abitur machen als türkische Buben.
Warum ist die Integration junger Muslime oft schwierig? Die Eltern sind Schuld,
sagt Pädagogik-Professor Ahmed Toprak. Seine
Mutter war Analphabetin, doch er machte Karriere an der Uni. Wenn
jemand weiss, wie Integration gelingt, dann Ahmed Toprak. Er kritisiert
vor allem die Mütter muslimischer Jungen. Eine Begegnung in Dortmunds
Problemviertel.
Bei seiner ersten Sprechstunde als Professor für Erziehungswissenschaft rechnete Ahmed Toprak nicht mit Besuchern. Dann erschienen zwei türkische Frauen, die nur eine Frage hatten: «Wie wird man als Türke Professor?» Später schrieben die beiden bei ihm ihre Diplomarbeiten. Sie passen perfekt zu seiner Beobachtung, dass muslimische Eltern ihre Töchter ganz anders erziehen als ihre Söhne. Den Mädchen würden Eltern die charakterlichen Grundlagen für eine Bildungskarriere vermitteln – die Jungen würden sie hingegen oft zu schwer integrierbaren Bildungsverweigerern erziehen.
Toprak stört sich daran, dass deren Schwierigkeiten häufig mit Diskriminierung erklärt werden. Die gebe es zwar, entscheidend sei aber das Elternhaus. Dort hat er problematische Muster beobachtet: Wenn sich die Jungen danebenbenehmen, hat dies oft keine Folgen. Dahinter stecke die Vorstellung, dass ein Mann Aggressivität verströmen soll, um seine Familie zu schützen. Wenn sich Lehrer beschweren, werden die Buben meistens in Schutz genommen und nicht mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert. Anders sieht es bei den Mädchen aus: Sie werden zu Disziplin angeleitet, sollen ordentlich und zuverlässig sein. Unbewusst fördern die Eltern damit Charaktereigenschaften, die im Bildungssystem nützlich sind. Möglicherweise liegt darin der Grund, dass türkische Mädchen in Deutschland häufiger Abitur machen als türkische Buben.
Mit schlechten Karten nach Deutschland
Bei
Toprak standen die Chancen gut, selbst zum Problemjugendlichen zu
werden. Er stammt aus einem Dorf in Anatolien und kam als Zehnjähriger
nach Deutschland. Seine Familie lebte in einem Brennpunktviertel, an der
Schule gehörten Gewalt und Drogen zum Alltag. Topraks Mutter war bis zu
ihrem Tod Analphabetin. Die Eltern verstanden das deutschen
Bildungssystem nicht. Trotzdem rutschten er und seine fünf Geschwister
nicht ab. Seiner Einschätzung hat das viel damit zu tun, dass seine
Eltern ihm Grenzen setzten und die Söhne in der Familie Toprak nicht
grundlegend anders erzogen wurden als die Töchter. Religion war eher
Nebensache, und die Eltern machten es sich nicht in der Opferrolle
bequem – trotz schwieriger Startbedingungen.
Integration finde immer auf kommunaler Ebene statt, sagt Toprak und hat deshalb ein Treffen in der Dortmunder Nordstadt vorgeschlagen. Das Viertel liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof, hier leben Menschen aus mehr als hundert Nationen. Frauen mit Kopftuch überall, Gemüseläden, reihenweise Döner und Falafel-Buden. Dazwischen liegt die Filiale eines 1-Euro-Shops, die hier dreimal so gross ausfällt wie an anderen Standorten. Beim Gang über den Wochenmarkt sagt Toprak: «Hier sehen Sie keine autochthonen Deutschen.» Bei ihm kommen solche Sätze ohne wertenden Unterton daher. Er lässt sich von niemandem vereinnahmen – weder von Einwanderungs-Romantikern noch von denen, die in der Zuwanderung den Untergang des Abendlands sehen.
Integration finde immer auf kommunaler Ebene statt, sagt Toprak und hat deshalb ein Treffen in der Dortmunder Nordstadt vorgeschlagen. Das Viertel liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof, hier leben Menschen aus mehr als hundert Nationen. Frauen mit Kopftuch überall, Gemüseläden, reihenweise Döner und Falafel-Buden. Dazwischen liegt die Filiale eines 1-Euro-Shops, die hier dreimal so gross ausfällt wie an anderen Standorten. Beim Gang über den Wochenmarkt sagt Toprak: «Hier sehen Sie keine autochthonen Deutschen.» Bei ihm kommen solche Sätze ohne wertenden Unterton daher. Er lässt sich von niemandem vereinnahmen – weder von Einwanderungs-Romantikern noch von denen, die in der Zuwanderung den Untergang des Abendlands sehen.
Sein Buch soll auch die Sekretärin verstehen
Toprak
ist 49 Jahre alt und lehrt an der Fachhochschule Dortmund. Er spricht
mit Akzent und redet nicht bloss über sein Fachgebiet, sondern auch über
Allerweltsthemen. Fremde würden ihn immer wieder in der IT-Branche
verorten, erzählt er. Warum, weiss er selbst nicht. Sein markantes
Gesicht, die unauffällige Brille und der sportlich-elegante
Kleidungsstil lassen eigentlich keine Rückschlüsse auf einen bestimmten
Beruf zu. Vielleicht wird Toprak deshalb nicht für einen Professor
gehalten, weil der akademische Grad für ihn keine grosse Rolle spielt.
Sein aktuelles Buch hat er so geschrieben, dass es auch seine Sekretärin
versteht. Der Titel «Muslimisch, männlich, desintegriert» würde sich
auch für einen Vortragsabend der AfD eignen. Die Schlagworte führen aber
in die Irre, denn Toprak ist Integrationsoptimist. Im Fazit seines
Buches steht, die Integration in Deutschland sei besser als ihr Ruf.
Ein Ort, der als Beweis dafür taugen könnte, ist das Dietrich-Keuning-Haus in der Dortmunder Nordstadt. Das Kultur- und Freizeitzentrum ist eines der grössten seiner Art in Nordrhein-Westfalen und wird stark von Migranten frequentiert. Hier gibt es Kennenlern-Veranstaltungen, Kochkurse und eine eigene Skateboardhalle. Bei einem Rundgang präsentiert der Direktor Levent Arslan das Haus als gut geölte Integrationsmaschine. In seiner Kindheit besuchte er die Einrichtung selbst regelmässig und bekam dort Nachhilfe. Arslan war der erste Dortmunder, mit dem Toprak Freundschaft schloss, als er vor zwölf Jahren nach Nordrhein-Westfalen zog. Die beiden spürten gleich eine Verbindung. Obwohl sie sich noch kaum kannten, nahm ihn Arslan schon zu seinem neugeborenen Neffen ins Krankenhaus mit.
Ein Ort, der als Beweis dafür taugen könnte, ist das Dietrich-Keuning-Haus in der Dortmunder Nordstadt. Das Kultur- und Freizeitzentrum ist eines der grössten seiner Art in Nordrhein-Westfalen und wird stark von Migranten frequentiert. Hier gibt es Kennenlern-Veranstaltungen, Kochkurse und eine eigene Skateboardhalle. Bei einem Rundgang präsentiert der Direktor Levent Arslan das Haus als gut geölte Integrationsmaschine. In seiner Kindheit besuchte er die Einrichtung selbst regelmässig und bekam dort Nachhilfe. Arslan war der erste Dortmunder, mit dem Toprak Freundschaft schloss, als er vor zwölf Jahren nach Nordrhein-Westfalen zog. Die beiden spürten gleich eine Verbindung. Obwohl sie sich noch kaum kannten, nahm ihn Arslan schon zu seinem neugeborenen Neffen ins Krankenhaus mit.
«Sarrazin würde sich wohlfühlen»
Die
Freundschaft lebt auch von ihren Gegensätzen. Toprak spricht unverblümt
über Integrationsprobleme, Arslan scheint sich hingegen ganz auf die
positiven Seiten der Zuwanderung zu konzentrieren. Als das Gespräch auf
die Flüchtlingskrise kommt, behauptet er, letztlich sei keine der damit
verbundenen Befürchtungen eingetreten. Die Dortmunder Nordstadt ist für
ihn auch kein Problemviertel, sondern «ein Viertel mit Problemen».
Toprak sieht das etwas anders.
Die Arbeitslosigkeit in der Nordstadt ist hoch, die Geburtenrate ebenso. Vieles erinnert an die Szenarien, die Thilo Sarrazin in seinen Büchern beschreibt. Der umstrittene Bestseller-Autor warnt vor Parallelgesellschaften und einem Land, in dem sich Deutsche nicht mehr als Deutsche fühlen. Toprak winkt ab und sagt: «Sarrazin würde sich in der Nordstadt wohlfühlen.» Es gebe keine Unruhen und wenn die Sozialarbeit weiter so funktioniere, werde das auch so bleiben. Arslan betrachtet das Viertel gar als «Vorbild für Deutschland», weil hier Menschen aus verschiedensten Länder ohne grössere Probleme zusammenleben würden. Toprak widerspricht nicht. Zuvor hat er aber einen Witz erzählt: «Wenn man in der Nordstadt aus dem Fenster fällt, fällt man auf einen Sozialarbeiter.»
Die Arbeitslosigkeit in der Nordstadt ist hoch, die Geburtenrate ebenso. Vieles erinnert an die Szenarien, die Thilo Sarrazin in seinen Büchern beschreibt. Der umstrittene Bestseller-Autor warnt vor Parallelgesellschaften und einem Land, in dem sich Deutsche nicht mehr als Deutsche fühlen. Toprak winkt ab und sagt: «Sarrazin würde sich in der Nordstadt wohlfühlen.» Es gebe keine Unruhen und wenn die Sozialarbeit weiter so funktioniere, werde das auch so bleiben. Arslan betrachtet das Viertel gar als «Vorbild für Deutschland», weil hier Menschen aus verschiedensten Länder ohne grössere Probleme zusammenleben würden. Toprak widerspricht nicht. Zuvor hat er aber einen Witz erzählt: «Wenn man in der Nordstadt aus dem Fenster fällt, fällt man auf einen Sozialarbeiter.»
Kein Respekt gegenüber Lehrerinnen
Genau
diese Praktiker vor Ort will er mit seinem Buch erreichen:
Sozialarbeiter, Lehrer und Ehrenamtliche. Schon lange bevor er in
Talkshows sass und Interviews gab, veranstaltete er Fortbildungen zur
«konfrontativen Pädagogik mit muslimischen Jungen». Lehrer werden seiner
Meinung nach falsch auf den Beruf vorbereitet, weil bei der Ausbildung
zu viel Wert auf Wissensvermittlung gelegt werde. Die Kinder kämen aber
nicht nur mit Wissenslücken, sondern auch mit Erziehungsdefiziten.
Immer wieder bekommt Toprak zu hören, muslimische Jungen hätten keinen Respekt gegenüber Lehrerinnen. Das machohafte Verhalten sei aber nur Fassade, um die eigene Überforderung zu verbergen, sagt er und rät weiblichen Lehrkräften, bei Problemen mit muslimischen Jungen auf keinen Fall einen Mann hinzuzuziehen. So werde nur ein Weltbild gestützt, in dem Frauen schwach und Männer stark sind. Toprak warnt Lehrer davor, sich vom Machogehabe junger Muslime einschüchtern zu lassen. Seiner Erfahrung nach reicht es, ihnen ein paar Mal sachlich und ruhig zu widersprechen. «Dann treten sie schon ganz anders auf.» Toprak ist sich sicher: Der Staat und die Bildungseinrichtungen müssen die Erziehungsdefizite ausgleichen.
Immer wieder bekommt Toprak zu hören, muslimische Jungen hätten keinen Respekt gegenüber Lehrerinnen. Das machohafte Verhalten sei aber nur Fassade, um die eigene Überforderung zu verbergen, sagt er und rät weiblichen Lehrkräften, bei Problemen mit muslimischen Jungen auf keinen Fall einen Mann hinzuzuziehen. So werde nur ein Weltbild gestützt, in dem Frauen schwach und Männer stark sind. Toprak warnt Lehrer davor, sich vom Machogehabe junger Muslime einschüchtern zu lassen. Seiner Erfahrung nach reicht es, ihnen ein paar Mal sachlich und ruhig zu widersprechen. «Dann treten sie schon ganz anders auf.» Toprak ist sich sicher: Der Staat und die Bildungseinrichtungen müssen die Erziehungsdefizite ausgleichen.
Jungen als Altersvorsorge
Das
eigentliche Problem von verhaltensauffälligen Kindern sind meistens die
Eltern, und bei muslimischen Jungen trifft das wohl vor allem auf die
Mütter zu. Laut Toprak übernehmen sie die Erziehung, der Vater spielt
oft nur eine Nebenrolle. Toprak beschreibt schlecht integrierte Buben
aus muslimischen Familien als verhätschelte Kinder, die aggressiv
auftreten und sich wenig um Regeln und Gesetze scheren. Den Grund dafür
sieht er in den enormen Erwartungen an die Söhne: Sie sollen heiraten,
eine Familie finanzieren, sie vor allem Unbill schützen und später die
Alterssicherung der Eltern übernehmen. Die Jungen haben es schwer und
die Mütter wollen sie entlasten. Sie müssen daher nicht im Haushalt
helfen und dürfen über die Stränge schlagen.
Obendrein halten die Mütter an überkommenen Traditionen fest. Toprak wurde beigebracht, seine vier älteren Geschwister nicht mit dem Vornamen anzusprechen, sondern mit «grosse Schwester» oder «grosser Bruder». Eine seiner Schwestern ist nur wenig älter als er, daher machte er bei ihr eine Ausnahme. Die Schwester störte sich nicht daran, die Mutter der Topraks aber umso mehr. Wenn Besuch im Haus war, und er seine Schwester mit ihrem Namen ansprach, sei dies seiner Mutter peinlich gewesen. Toprak erläutert, dass es bei dieser Tradition um die Aussendarstellung der Familie gehe. Die Ansprechregel diene dazu, Loyalität und Geschlossenheit zu demonstrieren.
Topraks Äusserungen haben ihm immer wieder Kritik eingebracht: «Die Leute denken, ich wäre rechts, weil ich Migranten kritisiere. Ich bin aber links.» Hassmails bekommt er von deutschen Rechtsradikalen, aber auch von Türken, die ihn als Nestbeschmutzer sehen. Es blieb nicht immer beim Maulheldentum. Einmal stand ein türkischer Vater mit gezücktem Messer in seinem Büro. Toprak hatte dessen Frau besucht, um über den verhaltensauffälligen Sohn zu reden. Aus Sicht des Vaters hätte er sie nicht aufsuchen dürfen, während sie allein zu Hause war. Als Toprak ihm den Grund für das Gespräch schilderte, wurde der Mann noch aggressiver, zog aber schliesslich wieder ab. Toprak verzichtete auf eine Anzeige. Er ist sich sicher, dass der Mann ihm nichts tun wollte. Die Aktion sei nur eine Warnung gewesen.
Obendrein halten die Mütter an überkommenen Traditionen fest. Toprak wurde beigebracht, seine vier älteren Geschwister nicht mit dem Vornamen anzusprechen, sondern mit «grosse Schwester» oder «grosser Bruder». Eine seiner Schwestern ist nur wenig älter als er, daher machte er bei ihr eine Ausnahme. Die Schwester störte sich nicht daran, die Mutter der Topraks aber umso mehr. Wenn Besuch im Haus war, und er seine Schwester mit ihrem Namen ansprach, sei dies seiner Mutter peinlich gewesen. Toprak erläutert, dass es bei dieser Tradition um die Aussendarstellung der Familie gehe. Die Ansprechregel diene dazu, Loyalität und Geschlossenheit zu demonstrieren.
Topraks Äusserungen haben ihm immer wieder Kritik eingebracht: «Die Leute denken, ich wäre rechts, weil ich Migranten kritisiere. Ich bin aber links.» Hassmails bekommt er von deutschen Rechtsradikalen, aber auch von Türken, die ihn als Nestbeschmutzer sehen. Es blieb nicht immer beim Maulheldentum. Einmal stand ein türkischer Vater mit gezücktem Messer in seinem Büro. Toprak hatte dessen Frau besucht, um über den verhaltensauffälligen Sohn zu reden. Aus Sicht des Vaters hätte er sie nicht aufsuchen dürfen, während sie allein zu Hause war. Als Toprak ihm den Grund für das Gespräch schilderte, wurde der Mann noch aggressiver, zog aber schliesslich wieder ab. Toprak verzichtete auf eine Anzeige. Er ist sich sicher, dass der Mann ihm nichts tun wollte. Die Aktion sei nur eine Warnung gewesen.
«Ich vertraue 30 Prozent der Bevölkerung nicht»
In
seinen Büchern und in Interviews thematisiert Toprak die Defizite der
Zuwanderer, sobald das Gespräch aber auf die politische Lage kommt,
nimmt er sich die Deutschen vor: «Ich vertraue hier 30 Prozent der
Bevölkerung nicht, weil sie Rechtsextreme wählen oder deren Positionen
gutheissen.» Toprak verteidigt die Migrationspolitik von Bundeskanzlerin
Angela Merkel und vertritt auch sonst durchweg linke Positionen.
Für das Problem der desintegrierten muslimischen Jungen sieht er vor allem eine Lösung, die so simpel wie unrealistisch ist: Muslimische Eltern müssten ihre Söhne einfach so erziehen wie ihre Töchter. Seiner Überzeugung nach würden sie dann lernen, dass sich Fleiss auszahlt und es klug ist, sich an die gesellschaftlichen Spielregeln zu halten. Gerade in einer patriarchisch geprägten Familienkultur ist es aber kaum vermittelbar, Jungen wie Mädchen zu erziehen. Toprak wird wohl noch viele Fortbildungen und Interviews geben müssen.
Für das Problem der desintegrierten muslimischen Jungen sieht er vor allem eine Lösung, die so simpel wie unrealistisch ist: Muslimische Eltern müssten ihre Söhne einfach so erziehen wie ihre Töchter. Seiner Überzeugung nach würden sie dann lernen, dass sich Fleiss auszahlt und es klug ist, sich an die gesellschaftlichen Spielregeln zu halten. Gerade in einer patriarchisch geprägten Familienkultur ist es aber kaum vermittelbar, Jungen wie Mädchen zu erziehen. Toprak wird wohl noch viele Fortbildungen und Interviews geben müssen.
Nota. - Die Multikulti-Spinnerei der vorgeblichen Linken war nicht bloß kein Beitrag zur Integration, sondern ihr aktiver Gegner. Ein Problem nicht sehen wollen mag konservativ sein; es bestreiten ist dagegen reaktionär.
JE
Mittwoch, 1. Januar 2020
Berufung.
Wenn einer in der Öffentlichkeit eine Meinung vertritt, fragt sich, ob sie es wert ist.
Wenn einer in der Welt eine Botschaft verkündet, fragt sich, ob er es wert ist.
Gretas Vater sagt, er habe ihren öffentlichen Auftritt nicht um des Klimas willen unterstützt, sondern um sein Kind zu retten. Da hat er seine Pflicht getan. Aber die andern?
Dienstag, 31. Dezember 2019
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