oderWofür die FDP vielleicht doch nochmal gut sein könnteg-geschichte
Man hat sie schon mehrfach abgeschrieben, denn ein wahrnehmbarer liberaler Akzent in der politischen Landschaft ist sie ja nun wirklich nicht. Dass sie trotzdem immer wiedermal nach Luft schnappt, liegt gar nicht an ihr, sondern an den Mängeln der andern. Als sie vor vier Jahren das Jamaika-Experiment aus freien Stücken abgeblasen hatte, schien aber auch das vorbei.
Und nun wird es statt einer Notlösung zu einer Formel, die man sogar aus politischen (sic) Gründen präferieren könnte! Das kam so: Seit geraumer Zeit sieht es aus, als ob an einer schwarz-grünen Regierung kein Weg vorbeiführte - allein wegen der Zahlenverhältnisse und aller Politik unerachtet. Aber dann haben die Grünen selber daran geglaubt und ließen alle Vorsicht fahren. Sie zeigten sich, wie sie wirklich sind.
Das fing schon an, als sie als Frontman den stets selbstzufriedenen Sonnyboy mehr hinnah-men als einsetzten. Neben ihm ganz unbekannt die Frau ohne Eigenschaften. Aber eine Feme muss sei, das gehört zu ihrem Markenkern! Und dann brannten ihnen die Sicherungen durch: Die machten sie gar zu ihrer Kandidatin für das Amt des Bundeskanzlers.
Sowas haben sich selbst die Sozis nicht getraut. Auch Steinmeier war, als er Außenminister wurde, nie Politiker gewesen, sondern war als Karrierebeamter bis nach oben gekommen. Weil sie sonst keinen hatten, machten sie ihn zum Kanzlerkandidaten, und inzwischen ist er Bun-despräsident.
Aber jemanden mit einer reinen Funktionärslaufbahn im schwülwarmen innerparteilichen Geflecht zum Träger ihrer Botschaft zu machen, der - ach nein: - die sich noch keiner öffent-lichen Pflichtaufgabe gestellt, geschweige denn darin bewährt hat - das können nur Leute tun, die ganz in ihrem Biotop aufgehen und für die profane Außenwelt nur Hochmut haben. Ihr Statut will, dass auf dem ersten Platz immer ein F. steht, das muss der Wähler nunmal so neh-men.
Und jetzt haben sie den Salat. Keiner wäre gut beraten, sich in einer Zweierkoalition von die-sen östrogengetriebenen Dilettant:innen erpressbar zu machen; schon gar nicht die CDU, die ja mit dem, was den Grünen am meisten fehlt, selber nicht reich gesegnet ist: Liberalität und rechtliche Gesinnung; Gendersterne, xy-Wörter, Cancel-culture.
*
Hätten Sie für möglich gehalten, dass man an dieser Stelle jemals wieder an die FDP denken könnte? Natürlich nicht um ihretwillen, sondern wegen der Mängel der andern.
aus welt.de, 26. 7. 2021 Heinrich VI. (1165–1197), Manessische Handschrift
Die edlen Herren ertranken in der Kloake
Um einen Streit zu schlichten, hielt König Heinrich VI. 1184 in Erfurt
Hof. Plötzlich brach der Boden des Saals ein, und rund 60 Anwesende
stürzten in die Latrine. Nur wenige konnten mit Mühe vor dem Ertrinken
gerettet werden.
Von Florian Stark
Eigentlich sollte das Jahr 1184 für den Staufer Heinrich VI.
(1165–1197) einen doppelten Karriereschub markieren. Der zweite Sohn
Kaiser Friedrichs I. Barbarossa hatte im Mai in Mainz die Schwertleite
erhalten, die aus dem 18-Jährigen einen vollwertigen Ritter machte. Und
sein Vater knüpfte Verhandlungen mit dem Normannen Wilhelm II. von
Sizilien an, um Heinrich die Hand der Erbprinzessin Konstanze
zu gewinnen. Da Heinrich bereits im Jahr 1169 zum römisch-deutschen
König gewählt worden war, eröffnete dieses Projekt fantastische
Machtoptionen.
Doch ein Vorfall am 26. Juli 1184 sollte Heinrich
daran erinnern, dass das Schicksal auch unangenehme Überraschungen
bereithalten kann. Sein Vater bezog ihn zunehmend in die
Regierungsgeschäfte ein und betraute ihn mit durchaus anspruchsvollen
Aufgaben. So sollte Heinrich an der Spitze eines Heeres den polnischen
Großfürsten Mieszko III. gegen seinen Bruder Kasimir II. unterstützen.
Kaiser Friedrich I. Barbarossa (M.) mit seinen Söhnen Heinrich (l.) und Friedrich von Schwaben
Auf
dem Weg dorthin bot sich in Erfurt die Chance, den Streit zwischen dem
Landgrafen Ludwig III. von Thüringen mit dem Mainzer Erzbischof Konrad
I. zu schlichten und damit diplomatisches Fingerspitzengefühl zu
beweisen. Denn der Landgraf war ein enger Verbündeter der Staufer, der
Erzbischof Erzkanzler des Reiches. Entsprechend groß war der Andrang
hochgestellter Persönlichkeiten zu dem Treffen, das entweder auf der
Burg des Kirchenfürsten (der Stadtherr von Erfurt war) oder in seiner
Dompropstei anberaumt war.
Es
war auf jeden Fall ein Bauwerk, das offensichtlich über die modernste
Technik verfügte, die die Zeit zu bieten hatte. Das bedeutete zum
Beispiel, dass eine Latrine vorhanden war und die Ausscheidungen der
Gäste nicht einfach aus dem Fenster auf den Hof gekippt wurden. Diese
Kloake lag in Parterre, sodass die Dienstleute, denen die Aufgabe der
Leerung zufiel, einen erträglichen Zugang zu diesem Abort hatten.
Irgendwo auf dem Erfurter Domberg dürfte der Ort der Versammlung gestanden haben
Wie
es in der Chronik von St. Peter heißt, war die Versammlung in der
„Oberstube“ angesetzt, also im Saal im Zweiten Stock. Als Vorsitzender
hatte Heinrich in einer Fensternische Platz genommen, ebenso der
Hausherr: „Plötzlich (brach) das Gebäude zusammen und Viele stürzten in
die darunter befindliche Abtrittsgrube, deren einige mit Mühe gerettet
wurden, während andere im Morast erstickten.“
Der Pastor Leitzmann zu Tunzenhausen
hat die Katastrophe bis ins Detail erforscht. Danach brach zunächst der
Boden des zweiten Stocks unter dem Gewicht der Versammlung ein. Als
etwa 60 edle Herren in den ersten Stock stürzten, gab auch dieser nach.
Darunter aber lag die Latrine. „Von denen (konnte) ein Theil kaum mit
großer Mühe herausgezogen werden, die anderen erstickten in dem
scheußlichsten Unflat.“
„Landgraf
Ludewig“, schrieb Leitzmann, „stürzte auch mit hinab, wurde jedoch
glücklich gerettet. Der König und der Erzbischof saßen in den
Fensterbänken, sie mussten mit Hülfe angelegter Leitern herabgetragen
werden.“ Die Liste derer, für die es keine Rettung aus den menschlichen
Ausscheidungen gab, soll etwa 60 Namen umfasst haben, darunter
„Friderich, Graf von Abinberc, Heinrich, ein Graf aus Thüringen, Gozmar,
ein hessischer Graf, Friderich, Graf von Kirchberg, Burchard von
Wartburg und Andere geringeren Namens“, so die Chronik.
... Als sie im Interview davon erzählt, sagte sie, „ ... wo das Wort N****r drin vorkam ...“. Baerbock spricht bei der Erzählung nicht von dem „N-Wort“, sondern spricht es voll aus.
Die
Kanzlerkandidatin veröffentlichte den Ausschnitt auf Twitter. Sie
schreibt: „Dieser Vorfall wühlt mich noch heute auf. Leider habe ich in
der Aufzeichnung des Interviews in der emotio-nalen Beschreibung dieses
unsäglichen Vorfalls das N-Wort zitiert und damit selbst reprodu-ziert.“
Wie kann man* eine Frau ohne Eigenschaften sein und trotzdem zum größten anzunehmen-den Unfall auflaufen? Was für eine [Sch-Wort]!
Nachtragaus welt.de, 27. 7. 2021
"... Die stellvertretende
Bundesvorsitzende der Grünen Ricarda Lang kritisiert Kanzlerkandi-datin
Annalena Baerbock für den Gebrauch des N-Worts. „Dieses Wort sollte
niemand von uns aussprechen, weil es Rassismus reproduziert und weil es
Menschen verletzt“, sagte Lang am Dienstag dem Spiegel. ..."
Sie ist doch die richtige Kandidatin - nicht für das Amt natürlich, aber richtig für ihre Partei:
"Die 27-Jährige betonte jedoch, dass Baerbock die richtige Kandidatin für die Grünen sei." Da hat Frau Lang tausendmal Recht. Ob von denen überhaupt einEr für ein Regierungsamt in Frage kommt, wird immer zweifelhafter.
Zeitmessung ist Macht: Harald Meller und Kai Michel untersuchen die
soziale und politische Bedeutung der Himmelsscheibe von Nebra in der
Bronzezeit.
Von Robert Risch
Die
Himmelsscheibe von Nebra ist nicht nur ein einzigartiges Objekt aus der
Bronzezeit, sie ist auch der Auslöser einer faszinierenden Forschung,
an der seit nun zwanzig Jahren die unterschiedlichsten
wissenschaftlichen Disziplinen beteiligt sind. Nachdem Harald Meller und
Kai Michel vor drei Jahren in ihrem Buch „Die Himmelsscheibe von Nebra“
diese Forschung und ihre Ergebnisse einem breiten Publikum vorgestellt
haben, erscheint mit „Griff nach den Sternen“ ein reich illustrierter
Band, der die Himmelsscheibe erstmals in das bronzezeitliche Panorama
vor rund 3800 Jahren einordnet. Er stellt uns die sozialen und
politischen Veränderungen einer Welt vor, die bis in unsere Gegenwart
nachwirken.
Die Methoden und
theoretischen Grundlagen der modernen Archäologie erlauben eine immer
tiefere Reise in die Vergangenheit. Sie ermöglichen aber auch eine immer
bessere Auseinandersetzung mit unserem eigenen
Gesellschaftsverständnis, da sie uns vor Augen führen, dass vieles, was
uns heute selbstverständlich erscheint, vor nicht allzu langer Zeit
unter besonderen Bedingungen entstanden ist. In dieser Hinsicht gehört
die Bronzezeit zu den entscheidenden Wegmarken der Geschichte Europas
und Asiens, im Gegensatz zu allen anderen Kontinenten, wo es diese
Periode nie gab oder sie, wie im Falle Afrikas südlich der Sahara,
übersprungen wurde.
Woher kam das astronomische und mathematische Wissen?
Damals bildeten sich in manchen Regionen
Europas ausgeprägte soziale Hierarchien. Neue Formen von Herrschaft
entstanden. Erst in diesem Kontext wird die Himmelsscheibe von Nebra
verständlich. Angefertigt wurde sie in der mitteldeutschen
Aunjetitz-Kultur zwischen 1800 und 1750 vor Christus mit der damals
besten Schmiedetechnik, die durch Vorbilder aus der Ägäis inspiriert zu
sein scheint. Das Zinn für ihre Bronze stammte aus dem englischen
Cornwall, woher auch das Gold der Himmelskörper kam. Nachdem sie über
mehrere Generationen verwendet und wiederholt umgestaltet wurde, vergrub
man sie um 1600 vor Christus auf dem Mittelberg bei Nebra.
Harald Meller und Kai Michel: „Griff nach den Sternen“. Nebra – Stonehenge – Babylon: Reise ins Universum der Himmelsscheibe.
Die
Himmelsscheibe ist das älteste bekannte Instrument der Menschheit, um
einen Kalender zu erstellen und somit Zeit exakt in Jahren zu messen.
Die dafür angewandte Methode, die auf der Bronzescheibe festgehalten
worden ist, war damals wahrscheinlich nur in Mesopotamien bekannt. In
diesem Kontext stellen sich zwei Fragen, denen wir intensive Forschungen
zur Himmelsscheibe und zur wirtschaftlichen Kraft, sozialen und
politischen Struktur sowie Ideologie ihrer Kultur verdanken: In welcher
Art von Gesellschaft wird die verlässliche Zählung der Jahre, und eben
nicht nur die für die Landwirtschaft wichtige Bestimmung von
Jahreszeiten, so bedeutsam, dass man sie auf gut zwei Kilogramm Bronze
und rund dreißig Gramm Gold kodiert? Und: Wie kam man im Herzen
Mitteleuropas an das notwendige astronomische und mathematische Wissen
aus Mesopotamien?
Ein Paradigmenwechsel in der Archäologie
Neue Forschungsergebnisse erlauben es
Meller und Michel, auf beide Fragen gewagte Antworten zu geben. Nur in
einer Staatsgesellschaft entstünden Macht- und Reichtumsverhältnisse, in
denen komplexes Wissen zur Zeitmessung und -vorhersage für die
Legitimation der Eliten sinnvoll und für die Organisation von auf
Abgaben beruhenden Sozialstrukturen notwendig wird. Dieses Wissen sei
nicht langsam über mehrere Zwischenstationen in das Herz Europas
gekommen, sondern durch Angehörige der Eliten, die direkt in den
Vorderen Orient reisten.
Diese Thesen
mögen zuerst Skepsis hervorrufen, verdeutlichen jedoch einen
Paradigmenwechsel in der Archäologie. Er wurde nicht zuletzt ausgelöst
durch die genetische Erforschung der Beziehung zwischen Menschen – und
damit auch ihrer Mobilität. Hinzu kamen immer verfeinertere
archäometrische Methoden zur Bestimmung der Herkunft und Zirkulation von
Rohstoffen wie Gold oder Zinn in den vergangenen Jahren.
Kontakte zwischen den Menschen der damaligen Zeit
„Griff nach den Sternen“ stellt also nicht
nur den Hort von Nebra und die Aunjetitz-Kultur vor, sondern geht allen
möglichen Verbindungen nach, die sich aus der Archäologie
Mitteldeutschlands ergeben. Das geschieht sehr kundig, da Harald Meller
als Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt seit zwanzig Jahren diese
Forschungen leitet. Die Reise der Autoren führt von Stonehenge und der
reichen Bronzezeit Skandinaviens über die Städte und Paläste von El
Argar in Südspanien, den befestigten Siedlungen Süditaliens und das
mykenische und minoische Griechenland bis nach Assur, Babylon und sogar
Ägypten ins Niltal. Mögliche Kontakte und Beziehungen zwischen den
Menschen der damaligen Zeit werden anhand der Zirkulation von Objekten
und Rohmaterialien aufgezeigt, aber auch anhand der Übereinstimmung
zwischen gesellschaftlichen Praktiken, Wissen und Ideologien in vielen
Gebieten, begleitet von den neuesten Ergebnissen der Archäogenetik.
Damit bietet
der Band einen aktuellen, von Nebra ausgehenden Überblick der Bronzezeit
Europas und des Vorderen Orients, insbesondere über die Zeit zwischen
2200 bis 1200 vor Christus. Über zweihundert Abbildungen der materiellen
Hinterlassenschaften erlauben es, die aufgestellten Hypothesen zu
überprüfen. Illustrationen entwerfen ein mögliches Bild der damaligen
Verhältnisse. So entsteht ein eindrucksvolles Panorama der Bronzezeit.
Das Buch kann jedoch auch in Hinblick auf die Frage gelesen werden, was
die Entstehung von Staaten und Ausübung von Herrschaft in der Geschichte
bedeuten und welche Folgen sie für die Menschheit bis heute haben.
Wie
konnten sich, nach einer über 100.000 Jahre langen
Menschheitsgeschichte, in der kooperative und kollektive
Organisationsformen eher die Regel als die Ausnahme waren, in bestimmten
Gebieten Herrschaftsklassen herausbilden, die den Rest der Gesellschaft
zur Leistung von Diensten und Steuerabgaben zwangen? Die von Meller und
Michel vorgestellten Gesellschaften Europas und des Vorderen Orients
und Ägyptens zeigen, wie langsam und instabil dieser Prozess war, der
den bestimmenden Umbruch der Bronzezeit darstellt, weil er gegen teils
massive Widerstände durchgesetzt werden musste.
Harald Meller und Kai Michel: „Griff nach den Sternen“. Nebra – Stonehenge – Babylon: Reise ins Universum der Himmelsscheibe. Propyläen Verlag, Berlin 2021. 272 S., Abb., geb., 39,– €.
Das jüdische
Großbürgertum um 1900 stellte in Österreich großteils sowohl die
materielle Basis als auch das Publikum für den Schub der Moderne
von Hans Rauscher
Das Jüdische Museum in Wien begeht das 100-Jahr-Jubiläum der Salzburger Festspiele mit der Ausstellung Jedermanns Juden. Sie beleuchtet die Rolle jüdischer Künstler, aber auch Mäzene bei der Gründung und ersten Blütezeit (bis 1938) der Festspiele.
Die
Idee Hugo von Hofmannsthals und Max Reinhardts, eine ganze Barockstadt
zur Bühne zu machen, war ein Ausdruck eines Kulturwillens, der dem
zusammengestutzten Restösterreich nach dem Ersten Weltkrieg eine
übernationale, europäische Bedeutung retten sollte. Aus die-sem Anlass
und über diesen Anlass hinaus kann man sich auch an den enormen
kulturellen Beitrag erinnern, den jüdische Künstler und jüdische Mäzene
zur Kultur der österreichischen Moderne geleistet haben, ehe sie dem
organisierten Hass anheimfielen.
Im ausgezeichneten Katalog der Ausstellung heißt es zwar im Beitrag
von Michael P. Stein-berg: "In der österreichischen Moderne des Fin de
Siècle gibt es also viele Juden und viel Jüdisches, aber es ist
methodisch falsch und politisch fatal, sie als ‚jüdisches Phänomen‘ zu
bezeichnen, sei es aus einer modernefeindlichen antisemitischen oder
einer der Moderne angeblich freundlich gesinnten philosemitischen
Perspektive."
Doch man muss in keines der beiden Extreme verfallen, um schlicht
festzustellen: Das jü-dische Großbürgertum um 1900 stellte großteils
sowohl die materielle Basis als auch das Pub-likum für den Schub der
Moderne. Die Industrialisierung der österreichisch-ungarischen Mon-archie
war zu einem beträchtlichen Teil auf emanzipiertes, wirtschaftlich
erfolgreiches Juden-tum zurückzuführen.
Zugewandtheit zur Moderne
Wenn man in dem informativen Band 100 x Österreich: Judentum
(Amalthea, 2020) von Danielle Spera, der Direktorin des Jüdischen
Museums, die Kapitel über die Ringstraße nach-liest, fällt die große Zahl
von Palais der Gründerzeit auf, die von jüdischen Unternehmern und
Bankiers errichtet wurden. In deren Salons wurden Künstler und
Intellektuelle aufgenommen, die – jüdisch oder nicht – bis nach dem
Untergang der Monarchie das kulturelle Leben beein-flussten. Zugleich
weiß man aber, welchen Hass dieser Wohlstand – und diese Zugewandtheit
zur Moderne – bei den traditionellen Christlich-sozialen und/oder
Deutschnationalen auslöste.
Auch die Salzburger Festspiele stießen sofort auf provinziell-antisemitische Widerstände. So-wohl in der "patriotischen" Presse als
auch in der Bevölkerung. Bei der Eröffnungsaufführung des Jedermann
wurde mit knapper Not ein lautstarker Protest von Schülern des
katholischen Borromäum verhindert, die gegen das "jüdische Element"
protestieren wollten.
Ausstellungen wie Jedermanns Juden gehören zu einem Programm
von Direktorin Danielle Spera, das von "Fachkreisen" als zu wenig
"forschungsrelevant" kritisiert wurde (siehe dazu den STANDARD-Artikel von Olga Kronsteiner).
Ohne die "wissenschaftliche Community" abwerten zu wollen – es ist
mindestens so wichtig, einen publikumsnahen Einblick in diesen
bedeutenden Teil unseres kulturellen Lebens zu bieten.
Darüber, was war, was immer noch ist und was sein könnte, sollte man
sich in ansprechender Form informieren können.
Nota. - Im habsburgischen Vielvölkerstaat konnte die Gruppe derer, die 'nirgendwo so richtg dazugehören', viel eher eine eigene Identität entwickeln als im provinziellen Flickenteppich Deutschland, wo jedes Kaff sein eigenes Profil hatte und seine eigenen Diversitäten; und zu-mal im vergleichsweise weltoffenen Wien, wo unangefochten der Kopf saß.
Aber dort konnte sie auch viel eher zum populären Feindbild stilisiert werden. Ein volkstüm-licher Antisemitismus hatte da eine lange Tradition - auch dies im Unterschied zu Deutsch-land, wo seit der Aufklärung der Antisemitismus unter den Gebildeten als Geschmacklosigkeit galt und erst durch Treitschke und den Kreis um Richard Wagner salonfähig wurde. Und unter den Volksmassen bekam er trotz Schützenhilfe aus dem kaiserlichen Hof gegen die sozialisti-sche Arbeiterbewegung keinen Fuß auf den Boden und keinen Keim in den Hirnwindungen.
Dass dann gerade dort daran gegangen wurde, die Juden Europas industriell auszurotten, bleibt ein Mysterium.
aus welt.de, 10. 3. 2021 In der Schlacht von Nagashino 1575 siegten Gewehre über Reiter
Schlacht bei Nagashino 1575
Eine Waffe aus Portugal vernichtete Japans Samurai
Drei skrupellose Warlords machten der „Zeit der streitenden Reiche“ in
Japan im 16. Jahrhundert ein Ende. Entscheidend wurde die Schlacht bei
Nagashino 1575. Vor den Linien einfacher Fußsoldaten türmten sich die
gefallenen Samurai-Reiter.
Längst
gehört es zu den schönen Freizeitbeschäftigungen, historische Szenen
nachzustellen. Die Varusschlacht im Teutoburger Wald etwa oder Napoleons Sieg bei Austerlitz.
Die angenehme Begleiterscheinung dieser Treffen ist ihre geringe
Verlustrate. Wohlgenährte Bürger mimen ein Gemetzel und versammeln sich
anschließend zum fröhlichen Umtrunk.
Die Akzeptanz derartiger
Reenactment-Veranstaltungen hat längst auch die Macher von historischen
TV-Produktionen bewogen, mit derartigen Spielszenen ihre Lernangebote zu
beleben. Allerdings blieben sie dabei in der Regel im Rahmen dessen,
was einer Familienrunde zugemutet werden kann. Der Streaming-Dienst
Netflix betritt da mit seiner Serie „Zeitalter der Samurai: Kampf um Japan“
Neuland. Hier rollen die Köpfe und spritzen die zumeist roten
Körperflüssigkeiten in einem Maße, dass Bildungsinteressierte an sich
selbst das Phänomen der Abstumpfung studieren können, je länger sie es
vor dem Ferseh-Gerät aushalten.
Als
mentale Einführung in das Thema ist das bestens geeignet. Denn in der
„Zeit der streitenden Reiche“ floss im Japan der Frühen Neuzeit das Blut
in Strömen. Während der machtlose Tenno in seinem Palast in Kyoto
allenfalls die Idee eines Einheitsstaates repräsentierte, kämpften in
den Provinzen Fürsten (Daimyo) und ihre Clans um die Macht, deren Krone
das Amt des Shogun (Generalissimus) war, des kaiserlichen
Militärkommandierenden, der faktisch der Herr des Landes war. Der
Niedergang des Muromachi-Shogunats ließ Nachfolger vom Aufstieg träumen.
Umso heftiger befehdeten sich die Daimyo.
Drei
Männer sollten das Problem auf ihre Weise lösen, indem sie sich
skrupellos, zielstrebig, innovativ und brutal ihrer Feinde entledigten.
Ihr Vorteil war, dass sie nicht aus der ersten Reihe agierten, sondern
gleichsam aus dem Schatten ins Licht traten.
Oda Nobunaga (1534–1582), porträtiert von einem Jesuiten
Als
Oda Nobunaga (1534–1582) seinem Vater als Chef in der
zentraljapanischen Provinz Owari nachfolgte, hätte nicht einmal seine
Familie viel auf seine Zukunft gegeben. Er war rüpelhaft, unbeliebt und
hielt nichts von Traditionen. Aber das setzte ihn in den Stand, neue
Methoden zu entwickeln. So erkannte er als einer der Ersten, welches
Potenzial in den Feuerwaffen steckte, die portugiesische Händler nach
Japan gebracht hatten.
Zwar handelte es sich bei den Arkebusen um
knallende Ungetüme, die nicht sehr zielgenau schossen, zwei Minuten zum
Beladen brauchten und bei Feuchtigkeit leicht versagten. Aber sie
ermöglichten ein Salvenfeuer, das Panzerungen sicher durchschlug und
Pferde in Panik versetzte. Vor allem war der Umgang mit einem Gewehr
viel schneller zu erlernen als der Einsatz von Pfeil und Bogen, der
jahrelange Übung verlangte. Bald wussten Japans Handwerker, die neue
Fernwaffe wie auch Kanonen in großen Stückzahlen zu fertigen.
"Herrschaft durch Gewalt": So schaltete Nobunaga seine Gegner aus
Die
„Tanegashima“ wurden zu idealen Waffen für Leute, die bis dahin
allenfalls als Opfer an Kriegen teilgenommen hatten: Bauern, Fischer,
Tagelöhner und andere Unterprivilegierte der japanischen Gesellschaft.
Nobunaga rüstete sie nicht nur mit Feuerwaffen, Speeren und schlichten
Rüstungen aus, sondern drillte sie auch, sodass diese Ashigaru in
größeren Formationen kämpfen konnten. Zugleich bewies er ein Händchen
bei der Rekrutierung fähiger Generäle. Während er seinen jüngeren Bruder
und Rivalen erschlug, fand er in Toyotomi Hideyoshi (1536–1598) und
Tokugawa Ieyasu (1543–1616) kongeniale Unterführer.
Mit dieser
Armee sah sich Nobunaga nicht mehr an die traditionelle Form der
Kriegführung gebunden. Bis dahin hatten sich die Daimyo und ihre
Anhänger in Hunderten Burgen verschanzt und ihre Kämpfe mit zumeist
berittenen Samurai ausgetragen, die sich auf die Durchschlagskraft ihrer
Schwerter und Bögen und nicht zuletzt ihre Ehre
verließen. Als der mächtige Fürst Imagawa Yoshimoto mit 25.000 Mann
durch seine Provinz zog, stellte ihm Nobunaga eine Falle. Nachts,
während einer heiligen Zeremonie, überfiel er mit 2000 Soldaten dessen
persönliches Lager. Nach dem Tod ihres Feldherrn löste sich dessen Armee
auf.
„Herrschaft durch Gewalt“ hat der Historiker Peter C. Perdue
Nobunagas Konzept genannt. Das mussten auch die Mönche und ihre
Schutzbefohlenen der Ikko-Sekte erfahren, die sich in dem riesigen
buddhistischen Zentrum auf dem Berg Hiei nordöstlich von Kyoto
verschanzt hatten. 3000 Gebäude wurden niedergebrannt, 20.000 Menschen
sollen enthauptet worden sein. „Das Blut floss wie ein Fluss den Berg
hinunter“, erklärt ein Fachmann in der Netflix-Doku, die es
dankenswerter Weise bei einigen auserwählten Opfern belässt.
Nobunagas
wachsende Kriegsmacht hatte zur Folge, dass sich ihm nur noch die
großen Daimyo entgegenzustellen wagten, die sich Festungen leisten
konnten, die den neuen Kanonen widerstanden. Bekannt ist vor allem
Takeda Shingen, der Anfang der 1570er eine Koalition von Daimyo
zusammenbrachte. Dessen Schicksal hat der japanische Regisseur Akira Kurosawa in seinem Meisterwerk „Kagemusha – Schatten des Kriegers“ (1980) eindrucksvoll in Szene gesetzt.
Nobunagas Schützen bei Nagashino – Szene aus "KAGEMUSHA – Schatten des Kriegers" (1980)
Solange
der alte Takeda lebte, konnten die Verbündeten Nobunagas Armee
erfolgreich Widerstand leisten. Aber als dessen Sohn sich mit einer
Offensive zu beweisen suchte, traf er 1575 bei Nagashino auf dessen
Ashigaru-Soldaten. Takeda hatte die größere Armee und war dabei, eine
Burg einzunehmen. Nobunaga ließ 3000 Arkebusen-Schützen hinter Palisaden
in Stellung gehen.
Als Takedas Kavallerie gegen diese
Feldbefestigungen anstürmte, wurde sie von dichtem Salvenfeuer
vernichtet. Die Toten türmten sich vor den Verschlägen heißt es, 10.000
Samurai sollen ihr Leben verloren haben. Nobunaga ließ die Anführer
kreuzigen und war auf dem besten Weg zum Shogunat. Doch bevor er sich
dazu erklären konnte, wurde er Opfer von Verrätern.
Zu seinem Rächer und Nachfolger avancierte Hideyoshi. Aus einfachsten
Verhältnissen stammend, sah er sich auch nicht an Traditionen gebunden,
sondern setzte Nobunagas Politik fort, indem er mit wegweisenden
Maßnahmen die Grundlage eines Einheitsstaates legte. Nachdem er auch die
Daimyo im Süden und Nordosten Japans unterworfen hatte, erließ er das
Dekret der „Großen Schwertjagd“: „Den Bauern der verschiedenen Provinzen
ist es streng verboten, lange Schwerter, kurze Schwerter, Bogen,
Speere, Muskete oder irgendeine andere Waffe zu besitzen.“ Auch die
Samurai mussten ihre Fernwaffen abgeben, zahllose Burgen wurden
geschleift.
Auf diese Weise verhinderte Hideyoshi neue
Machtzusammenballungen, die ihm hätten gefährlich werden können.
„Anschließend fror er die Gesellschaftsordnung ein“, schreibt Perdue.
Bauern wurden an die Scholle gefesselt, Handel wurde den Städtern
zugewiesen, Samurai war es verboten, bezahlte Arbeit anzunehmen. Das
gesamte Land wurde vermessen, sein Produktionspotenzial zur Grundlage
der Steuererhebung gemacht, die in koku gemessen wurde, was in etwa dem
jährlichen Reisverbrauch pro Kopf entsprach. Den zwölf Millionen
Japanern standen 18,2 Millionen koku zur Verfügung, von den Daimyo und
Samurai nach einem gestaffelten System ihren Anteil bekamen.
Der Sieger: Tokugawa Ieyasu (1543–1616) nahm 1603 den Titel Shogun an
Doch
sein Einigungswerk hatte Hideyoshi offenbar größenwahnsinnig gemacht.
1592 erklärte er, dass er sich nichts sehnlicher wünsche, „als dass mein
Name überall in den drei Ländern (Japan, China und Indien) bekannt
ist“. Doch seine 200.000 Mann starke Armee erlitt bereits in Korea
schwere Verluste. Als Hideyoshi 1598 starb, war der einzige Erfolg
seines Unternehmens, die chinesische Ming-Dynastie so weit geschwächt zu
haben, dass sie einige Jahrzehnte später zum Opfer der Mandschu wurde.
Der
Gewinner wurde der Dritte im Bunde: Tokugawa Ieyasu. Er siegte in der
Entscheidungsschlacht über seine Gegner und konnte als Hochadliger 1603
den Titel des Shogun gewinnen. Er verbot den Krieg und machte die
Samurai zu Beamten und Verwaltern, die ihre Schwerter nur noch zum
Ausweis ihres Ranges tragen durften. Bis zur Ankunft der „Schwarzen Schiffe“ des US-Commodore Matthew Perry im Juli 1853 sollte Japan ein weitgehend abgeschlossenes Land bleiben.