Mittwoch, 12. Dezember 2018

Pest im neolithischen Europa?

Grab einer 20jährigen Frau in Schweden
aus derStandard.at, 11. Dezember 2018, 18:52 

Die Pest könnte schon das neolithische Europa entvölkert haben
Forscher wiesen Yersinia-pestis-Bakterien in rund 5.000 Jahre alten menschlichen Überresten im heutigen Schweden nach.

Als im 14. Jahrhundert die Pest Europa heimsuchte, raffte die Seuche annähernd ein Drittel der Bevölkerung des Kontinents dahin. Mittlerweile weiß man, dass der dafür verantwortliche Erreger, Yersinia pestis, in dieser Region nicht das erste Mal derart radikal wütete. Bereits im sechsten und siebten Jahrhundert sorgte die Pest nicht nur im Mittelmeerraum für eine Pandemie, die annähernd apokalyptische Ausmaße annahm.

Aber auch diese sogenannte Justinianische Pest war offenbar nicht die erste Begegnung der europäischen Bevölkerung mit Yersinia pestis. Eine DNA-Studie vom November 2017 kam zu dem Schluss, dass der Erreger bereits am Übergang vom Neolithikum zur Bronzezeit in Europa präsent gewesen sein dürfte. Nun haben Forscher in den Gebeinen aus einer Grabstätte im heutigen Schweden eine Bestätigung dafür gefunden. Wie sich zeigte, hat eine genetisch sehr ursprüngliche Form des Bakteriums vor über 5.000 Jahren in Europa zahlreiche Todesopfer gefordert – womöglich sogar mit weitreichenden Folgen.

Unerwartet frühe Pestepidemie

"Die Pest geht wahrscheinlich auf einen der tödlichsten Erreger in der Geschichte der Menschheit zurück", sagt Simon Rasmussen von der Universität Kopenhagen. Der Genetiker und seine Kollegen identifizierten das Bakterium nun in den Überresten einer zum Zeitpunkt ihres Todes vor 4.900 Jahren rund 20-jährigen Frau in Nordeuropa. Die Umstände ihres frühen Ablebens sprechen nach der im Fachjournal "Cell" veröffentlichten Studie dafür, dass sich die Seuche tatsächlich schon im Neolithikum über Europa ausgebreitet hat.

Sollte dies der Fall gewesen sein, könnte es dabei helfen, das rätselhafte Verschwinden früher europäischer Bauern zu klären. Diese Bevölkerungsgruppe, die vor rund 9.000 Jahren begann, aus dem Nahen Osten nach Europa einzuwandern und sich als die heute bekannten Cucuteni-Kultur zu etablierte, verschwand praktisch über Nacht vor 5.400 Jahren.

Rätselhafter Bevölkerungsaustausch

Der Ausbau ihrer Siedlungen stoppte abrupt und letztlich bewiesen auch frühere genetische Untersuchungen ihr plötzliches Verschwinden. In weiterer Folge kam es, so belegen es die Erbgutanalysen, zu einem drastischen Bevölkerungsaustausch durch Menschen aus den zentralasiatischen Steppen, der vor etwa 4.500 Jahren mehr oder weniger abgeschlossen war. Was also hat der Cucuteni-Kultur davor dermaßen zugesetzt?

Rasmussen und seine Kollegen sind davon überzeugt, dass Yersinia pestis für den dramatischen Bevölkerungsschwund der Cucuteni-Kultur verantwortlich war. "Wir glauben, dass unsere Befunde das erklären würden", meinen die Forscher. Die Analysen der Erbanlagen sprechen dafür, dass der nun identifizierte Peststamm sich von einem noch ursprünglicheren Stamm vor 5.700 Jahren abgespalten hat und vor dieser Migrationswelle mutierte.

Die im nun vorliegenden Pestfall nachgewiesene genetische Veränderung dürfte Yersinia pestis nach Ansicht der Wissenschafter sehr gefährlich gemacht haben und letztlich zu einer Epidemie geführt haben, die vor mehr als 4.900 Jahren wohl zahlreiche europäische Siedlungen entvölkerte. Hinzu kommt, dass damals die ersten bevölkerungsreichen Großsiedlungen mit bis zu 20.000 Einwohnern entstanden sind, was es der Ausbreitung der Pest umso leichter gemacht hat. Wahrscheinlich kam der Erreger dann über frühe Handelsrouten auch zu kleineren Ansiedlungen, wie etwa jene, in der die junge Schwedin gelebt hatte. (tberg.)


Abstract



Dienstag, 11. Dezember 2018

Einbinden?

Hagen versenkt den Nibelungenhort

Als hätte Deutschland keine andern Sorgen, kümmert sich die CDU seit ihrem ungefähren Richtungsentscheid vor- rangig darum, ihre gekränkten Nostalgiker "einzubinden". Frau Kramp-Karrenbauer macht fürs Publikum erstmal dabei mit. Doch eine Zukunft hat sie nur, wenn sie einsieht, dass es in der CDU vielmehr darum geht, ihre selbst- gefälligen Altlasten zu entsorgen. Ich meine, wenn die CDU eine Rolle dabei spielen will, in Deutschland die Mitte scharf zu machen.

Ob sie dabei eine Rolle spielt, ist ja noch gar nicht auszumachen. Doch dass es nötig wäre, liegt flach auf der Hand.






Samstag, 8. Dezember 2018

Scharf machen.


Wenn man die Mitte scharf machen will, muss man an den Rändern feilen und schleifen. Ein christlich-sozialer und wertkonservativer Akzent an einem liberalen und weltoffenen Kern kann nicht schaden. Doch nach den Seiten hin muss man nicht schielen, sondern den eignen Kurs im Auge haben. 




Hossa: Gehen die Dunkelmänner von allein?


aus welt.de, 8. 12. 2018

CDU-Konservative: "Partei-Neugründung ist nicht auszuschließen"

Kann AKK die Spaltung wirklich aufhalten? Der Vorsitzende der konservativen Werteunion, Alexander Mitsch, hat im Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” das Szenario einer Partei-Neugründung ins Spiel ge- bracht, sollten Wertkonservative und Wirtschaftsliberale aus der Partei austreten. 

Es sei ein Szenario, “das man im Moment nicht ausschließen kann, aber nicht gewollt sein kann.” Allerdings habe es nach der Wahl Kramp-Karrenbauers bereits Parteiaustritte gegeben. AKK als Parteivorsitzende sei “eine schwere Enttäuschung” für diejenigen, die an eine politische Wende geglaubt hätten. Das äußerst knappe Ergeb- nis zeige, dass die CDU ihre inhaltliche Ausrichtung neu definieren müsse. Dies sei auch mit Blick auf an die AfD und die FDP verlorene Wähler nötig. 

Aber: “Mit der nun gewählten neuen Parteivorsitzenden an der Spitze wird es in den Augen vieler keine Wende geben, sondern vermutlich so weiterlaufen wie bisher”, sagte Mitsch.


Eher eine Option als schon eine Entscheidung.


Für eine Richtungsentscheidung war nicht nur das Ergebnis etwas knapp, sondern waren vor allem die Alternativen nicht klar. Ein 'weiter so' solle es nicht geben, heißt es allerorten. Was soll nicht 'weiter so' gehen? Das Gewürge mit der immer weiter schrumpfenden Großen Koalition? Gewiss - wer wollte das schon! Aber weiter so mit der von Angela Merkel zuerst pragmatisch tastend, ab 2015 aber klarsichtig  und energisch vorangetriebenen  Neuausrich- tung von Deutschlands Politik in der Welt - damit allemal.

Wenn ein Merz aber sagt, ein Weiterso solle es nicht geben, und 'klare Positionen' fordert, dann kann er nur andere Positionen meinen. Dann kann er nur meinen, zurück hinter die Ergebnisse der Ära Merkel und hinter den Zeit- punkt seiner Niederlage im damaligen Machtkampf. Das wusste eigentlich jeder, aber dafür gab es keine Mehrheit, soviel immerhin war klar. Also hat er es so nicht gesagt. Viele Stimmen wird ihm das nicht gebracht haben. Doch die Stimmen derer, die auf jeden Fall einen Aufbruch wollten, und sei's einer nach Gestern, die hat's ihn gekostet. Er hat den Mund gespitzt, aber nicht gepfiffen. Den Verdacht, dass seine Kandidatur weniger der Sache galt als einem nachtragend gekränkten Ego, konnte er so nicht zerstreuen.

Wie's Horneberger Schießen? Nicht ganz. Denn dass es zurück hinter die Ära Merkel gehen solle, haben die Dele- gierten immerhin abgelehnt. Ihre weltpolitische Rolle als Kanzlerin Deutschlands wird sie weiter so spielen, dafür hat der Parteitag ihr das Mandat erteilt. Knapp. Aber eine Alternative lag nicht vor: "alternativlos". (Wie sie um Him- mels Willen nie wieder sagen soll!)


 

Freitag, 7. Dezember 2018

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Eine Richtungsenscheidung, aber vielleicht auch nicht.


Wer Angela Merkel als CDU-Vorsitzende folgt, ist nicht Deutschlands Hauptproblem. Die Hauptaufgabe in Deutschland ist, eine scharfe Mitte auszubilden. Dabei kann ein CDU-Vorsitzender nützen, stören oder gar keine Rolle spielen. 

Mal sehen, wer wofür in Frage kommt: Spahn fällt aus. Möchte wohl gern scharf, aber Mitte kommt nur mit langen Zähnen in Betracht (es sei denn, es geht umd die Ehe für alle). Er weiß wohl auch selber, dass er noch nicht dran ist und betreibt das Ding nur als Imagebuilding. Merz könnte die CDU vielleicht schärfen, aber nur nach Gestern und konservativer Identitätspflege hin. Ob er der CDU mehr Stimmen einbringt, als er sie kostet, mag ein Thema sein für die CDU; aber nicht für Deutschland.

Ach, und Annegret Kramp-Karrenbauer! Angela Merkel haben sie anfangs auch, und mit Getöse, weit unterschätzt. Ich dachte schon, als sie Generalsekretätin wurde: Die hat mehr drauf, als man ihr ansieht. Aber als sie Vorsitzende wurde, meinte auch ich, das wär ihr eine Nummer zu groß. Doch als die Kanzlerin war, fand ich, eine Kanzlerin nach Hausfrauenart wär ganz das, was uns - nach Schröder - zu Gesicht stand. Verblüfft war ich aber wie der Rest der Welt, als sie im Jahr des Herrn 2015 zeigte, dass sie nicht kneift, wenn ihr Amt verlangt, dass sie Geschichte macht. Und als die Willkommenskultur erwartungsgemäß abebbte, hat sie sich nicht beirren lassen. Sie hat die Situation geschaf- fen, in der eine scharfe Mitte möglich, aber auch nötig wurde.

Damit kann Frau Kramp-Karrenbauer nicht konkurrieren, sie verspricht der CDU, dass sie für sie Wahlen gewinnt. Aber das ist für Deutschland nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist, ob sie Merkels Kurs - der am Anfang womög- lich 'vom Herzen kam', in der Folge aber eine Vernunftentscheidung wurde - weiterführen und zu einem Programm profilieren kann. 

Da wir eine bessere Wahl nicht haben, muss man es mit ihr versuchen. Vielleicht wird ja auch sie, wie Merkel damals, gehässig unterschätzt. 

Oder es könnte sein, dass die CDU für die Ausbildung einer scharfen Mitte in Deutschland gar keine Rolle spielt.