Freitag, 10. Januar 2020

Der Runenstein von Rök.

aus derStandard.at, 9. Jänner 2020


Rätselhafter Wikinger-Runenstein aus Angst vor Klimawandel er-
richtet?
Die längste bekannte Runenschrift bezieht sich offenbar auf dramatische Klimaveränderungen vor 1.500 Jahren, berichten Forscher

Der bekannte Runenstein von Rök in Schweden könnte neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge aus Furcht vor einer Klimakatastrophe errichtet worden sein. Das geht aus einer Studie schwedischer Forscher im "International Journal of Runic Studies" hervor.

Der Runenstein wurde im neunten Jahrhundert von Wikingern nahe dem Vätternsee in Südschweden errichtet. Er hat eine Höhe von mehr als 3,80 Metern und trägt eine Runeninschrift in altnordischer Sprache. Sie ist mit rund 750 Zeichen die längste bekannte Runenschrift.

Forscher gehen davon aus, dass der Stein im Gedenken an einen verstorbenen Sohn errichtet wurde. Die genaue Bedeutung konnte jedoch bis heute nicht entziffert werden, da Teile der Inschrift fehlen und zudem verschiedene Runen-Alphabete verwendet wurden. Einige Wissenschafter glauben, dass auf dem Stein von Theoderich dem Großen die Rede ist, der im sechsten Jahrhundert im Ostgotenreich, dem heutigen Italien, herrschte.

Fataler Temperatursturz

Nun haben Forscher verschiedener Disziplinen an drei schwedischen Universitäten eine neue Deutung vorgelegt. Sie vermuten, dass der Verfasser den Tod seines Sohnes in einen größeren Zusammenhang stellte und sich auf die Gefahr einer erneuten extremen Kälteperiode bezieht, ähnlich der dramatischen Klimaveränderung im Jahr 536 nach unserer Zeitrechnung. Damals kam es mutmaßlich in Folge mehrerer Vulkanausbrüche zu einem drastischen Temperatursturz, zu Missernten und Hungersnöten. Schätzungen zufolge starb rund die Hälfte der Bevölkerung auf der skandinavischen Halbinsel.

Die Erinnerung an dieses einschneidende Ereignis könnte den Forschern zufolge von Generation zu Generation weitergegeben worden sein und Eingang in die Mythologie gefunden haben. Bei den auf dem Stein erwähnten Schlachten könnte es sich nicht um tatsächliche Kampfhandlungen, sondern den "Konflikt zwischen Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, Leben und Tod" handeln, schreiben die Wissenschafter.

Sonnensturm und Finsternis

Im neunten Jahrhundert habe es zudem eine Reihe von Ereignissen gegeben, die auf den Verfasser "äußerst bedrohlich gewirkt" haben könnten. "Ein starker Sonnensturm färbte den Himmel in dramatischen Rottönen, die Ernte litt unter einem extrem kalten Sommer, und später gab es eine Sonnenfinsternis", sagte Bo Graslund, Professor für Archäologie an der Universität Uppsala. Dies könnte die Angst vor einem sogenannten Fimbulwinter geweckt haben. Der Fimbulwinter bezeichnet in der nordischen Mythologie eine Eiszeit mit drei strengen Wintern, die den Weltuntergang einleitet. (red, APA,)


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