Montag, 31. Juli 2017

Neue Funde im Hohlen Fels.

aus derStandard.at, 31. Juli 2017, 11:45

Schmuckstücke aus Mammutelfenbein in Deutschland entdeckt
42.000 Jahre alte Funde zeugen von spezieller Herstellungstechnik und Tradition auf der Schwäbischen Alb

Tübingen – Deutsche Forscher haben in den Weltkulturerbe-Höhlen des Achtals und Lonetals zahlreiche Perlen aus Mammutelfenbein gefunden. Die Schmuckstücke sind in ihrer Machart bislang ausschließlich von der Schwäbischen Alb bekannt. In der Karsthöhle Hohler Fels bei Schelklingen im Achtal (Baden-Württemberg) wurden auch mehrere einzigartige Perlenformen ausgegraben.

Mit insgesamt 40 Schmuckstücken sei die Anzahl der Funde ungewöhnlich hoch, sagte Nicholas Conard von der Universität Tübingen, der die Artefakte gemeinsam mit Kollegen vergangene Woche präsentierte. Die Schmuckstücke sind ab sofort im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren zu sehen.

Sozialer Zusammenhalt

"Die Stücke sind wichtig für die Entwicklung unserer Art: Neben Kunst und Musikinstrumenten dokumentieren sie als symbolische Artefakte die frühesten Schmuckfunde in dreidimensionaler Formgebung aus Elfenbein. Sie unterstreichen die gemeinsame Kultur und soziale Einheit der Menschen im Ach- und Lonetal, die neue Formen systematisch produziert haben – eventuell als Ausdruck einer Konkurrenzsituation zum Neandertaler oder als Reaktion auf die radikalen Umweltveränderungen in dieser Zeit", so Conard. 



Die archäologischen Ausgrabungen bei Schelklingen bringen regelmäßig Fundstücke aus der Jüngeren Altsteinzeit zutage. Die nun präsentierten Schmuckstücke stammen aus den Schichten des Aurignacien, die zwischen 42.000 und 34.000 Jahre alt sind. "Mithilfe dieser Funde können wir sogar Rückschlüsse auf die gesellschaftlichen Vorstellungen während dieser ersten Epoche der modernen Menschen in Europa ziehen", sagte Conard. So hätten die Grabungsteams der Uni Tübingen in den Höhlen des Achtals wie auch des Lonetals über die Jahre Hunderte von doppelt durchlochten Perlen aus Mammutelfenbein geborgen.

Sie sind in der Mitte verdickt und zu den Enden beidseitig abgeflacht. Die Lochungen entstanden durch das Bohren mit einem feinen Feuersteingerät oder durch wiederholtes Einschneiden. Die Perlen liegen in allen Stadien des Herstellungsprozesses vor, vom Rohling bis zum getragenen Stück. In dieser Herstellungsart kommen sie ausschließlich auf der Schwäbischen Alb vor. Zudem seien die Schmuckstücke aus den schwäbischen Höhlen der bislang älteste Nachweis für die komplexe Herstellung von Elfenbeinperlen weltweit, so der Archäologe.

Lokale Tradition

Noch außergewöhnlicher sind dreifach durchlochte Perlen aus Mammutelfenbein aus der ältesten aurignacienzeitlichen Schichten der Höhle [s. Kopfbild]. Hier laufen die Enden mehr oder weniger spitz zu, die beiden äußeren Löcher werden meist durch Einkerbungen vom mittleren Teil der Perle abgesetzt. Die Einkerbungen entstanden durch mehrfaches Ansetzen und Schneiden des entsprechenden Steinwerkzeugs. Dieser Perlentyp sei nur vom Fundort Hohler Fels bekannt und besitze keine Parallelen zu anderen Funden.

Dass auch die doppelt durchlochten Perlen nur aus Grabungen auf der Schwäbischen Alb bekannt sind, zeigt für die Wissenschafter, dass sie Ausdruck einer Gruppenidentität waren. "Diese Form wurde nicht mit Menschen aus anderen Regionen geteilt, obwohl europaweit Kontakte bestanden. Dieser Perlentyp war offensichtlich für die Gruppen im Ach- und Lonetal bestimmt", sagte Sibylle Wolf vom Senckenberg Centre HEP. Zudem würden die Perlen über einen Zeitraum von etwa 6.000 Jahren auftreten: "Das bezeugt, dass es eine Tradition des Herstellens und Tragens dieser sehr speziellen Form gab." (red, 31.7.2017)

Link
Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren

Mittwoch, 26. Juli 2017

Politische Korrektur.

 
In der Neuen Zürcher kommentiert Rainer Moritz heute die Entscheidung des Spiegel, das Buch «Finis Germaniae» aus seiner Bestseller-Liste zu nehmen. Daraus:

Der «Spiegel» hat sich und der öffentlichen Diskussion damit einen Bärendienst erwiesen. Die nicht einmal begründete Streichung eines messbaren Faktums – die Verkaufszahlen eines Sachbuchs – ist Wasser auf die Mühle all derjenigen, die über die Einseitigkeit der veröffentlichten Meinung klagen und das Wort «Lügenpresse» im Munde führen.

Der Umgang mit Sieferles Aufsätzen ist typisch für die unsouveräne, selbstgerechte Hektik, mit der Teile der Medien seit einiger Zeit mit ihnen unliebsamen Gedanken umgehen. Man verteilt das inhaltlich wenig aussagekräftige Adjektiv «rechtspopulistisch» grosszügig auf all das, was einem nicht in den Kram passt, und tut so, als gäbe es gleichzeitig keinen Links- oder Liberalpopulismus. ...

Warum nur halten es manche so schwer aus, dass ihre eigenen Gedankengebäude und ihre offenbar für unangreifbar gehaltenen Überzeugungen angezweifelt werden? Warum streitet man nicht, warum diskutiert man nicht, warum macht man sich nicht daran, das Verachtete zu widerlegen, anstatt vom hohen Ross aus Geringschätzung zu zeigen? Es zu negieren und voreilig aus dem demokratischen Diskursfeld zu entfernen, ist ein Armutszeugnis.

Ein Bestseller ist ein Bestseller. Dass der Absatz von Sieferles «Finis Germania» dank dem «Spiegel»-Handstreich steigen wird, versteht sich von selbst.


Nota. - Nein, es ist kein Armutszeugnis, es ist Feigheit. Wenn sie es täten, käme sofort heraus, dass ihre Korrekt- heit mit freiheitlicher Radikalität noch nie etwas zu tun hatte, sondern im Gegenteil nichts anderes ist als herr- schende Meinung. Sollte sich andeuten, dass morgen vielleicht schon eine andere Meinung die herrschende wird, sieht man sie erst sich winden und dann sich wenden. Die Heuchler sind schlimmere Feinde als die Feinde, weil sie hintenrum kommen.
JE  






Politisch korrekte Meinungsterroristen.


 aus Die Presse, Wien,

Dawkins: „Warum geben Sie dem Islam einen Freibrief?“
Ein Radiosender in Berkeley sagte die geplante Präsentation des neuesten Buchs des Evolutionsbiologen und Atheisten ab, weil dieser den Islam „geschmäht“ habe. Richard Dawkins erfuhr davon nur auf Umwegen und fordert eine Klärung der Vorwürfe.


Da hat eine regionale Radiostation in den USA einen Talkgast ausgeladen, und kurz darauf sind landesweit die Medien voll damit. Das liegt daran, dass der Sender KPFA heißt und der Ausgeladene Richard Dawkins. Dessen Renommee als Evolutionsbiologe ist so hoch, dass sein „Selfish Gene“ in einer Umfrage der Royal Society gerade zum wichtigsten Buch aller Zeiten gewählt wurde. Aber Dawkins ist nicht nur Wissenschaftler, er schätzt sich selbst auch als „ziemlich militanten Atheisten“ ein, und man darf vermuten, dass diese Position sein neues Buch füllt, es heißt programmatisch „Science in the Soul: Selected Writings of a Passionate Rationalist“ und hätte am 9. August vom Autor beim Sender KPFA präsentiert werden sollen.

Der ist in den USA mindestens so bekannt wie Dawkins: Er wurde 1949 in Berkeley von Pazifisten gegründet, er war der erste Sender, der von den Hörern finanziert wurde, und er machte rasch auf sich aufmerksam: Dort kam erstmals ein Schwulenaktivist zu Wort, dort wurde früh für die Freigabe von Marihuana geworben, und natürlich war KPFA mit dabei, als es in den Sechzigerjahren an den Universitäten zu brodeln begann, vor allem in Berkeley, es ging gegen den Vietnam-Krieg und für „Freedom of Speech“.

Einer von denen, die gegen den Krieg und für die freie Rede demonstrierten und für KPFA mitbezahlten, war Dawkins, er forschte von 1967 bis 1969 in Berkeley. Daran erinnerte er KPFA in der jetzigen Causa: Der Sender ließ Kunden, die schon Eintrittsgeld für die Veranstaltung mit Dawkins bezahlt hatten, per Mail wissen, man sage die Veranstaltung ab, weil man verspätet bemerkt habe, dass Dawkins „in Kommentaren zum Islam so viele Menschen beleidigt und verletzt“ habe: „KPFA unterstützt keine Schmähung (abusive speech)“.

Ein Empfänger schickte das Mail an den nichts ahnenden Dawkins. Der wandte sich an KPFA, er forderte eine Entschuldigung und die Klärung des Vorwurfs. Welche „Schmähung“? Er habe die „Frauenfeindlichkeit und Homophobie“ des Islam kritisiert, aber nie Moslems: „Weit entfernt davon, Moslems zu attackieren, sind nach meinem Verständnis Moslems selbst, vor allem Frauen, die ersten Opfer der unterdrückenden Grausamkeiten des Islamismus.“

„Häufiger Kritiker der Christenheit“

Im Übrigen sei er „bekannt als häufiger Kritiker der Christenheit“ und deswegen noch nirgends hinausgeworfen worden: „Warum geben Sie dem Islam einen Freibrief? Warum ist es fein, das Christentum zu kritisieren, aber nicht den Islam?“

Ähnliche Fragen kennt man aus Europa, aber in den USA ist die Lage noch vertrackter, vor allem seit der letzten Präsidentenwahl: Die Universität Berkeley ist Anti-Trump und weit weg von „Free Speech“: Im Februar sagte sie nach gewalttätigen Demonstrationen einen Auftritt von Milo Yiannopoulos ab, einem rechtsstehenden Kommentator; im April wurde die konservative Autorin Ann Coulter ausgeladen. Das hat mit dem Radiosender nichts zu tun, es zeigt nur die Grundierung: Beim Aussperren von Dawkins durch KPFA hat wohl auch die versuchte Aussperrung von Bürgern islamischer Staaten durch Präsident Trump mitgespielt: Nun gehe es allerorten gegen Moslems. Das vermutet das Center for Inquiry Statement, eine NGO für Säkularisierung, bei der Dawkins Mitglied ist: „Wir (Richard Dawkins eingeschlossen) haben gegen Präsident Trumps fehlgeleiteten und diskriminierenden Moslem-Bann stark opponiert.“

KPFA hat sich zu alldem nicht zu Wort gemeldet, vielleicht ist man mit Protest-Post beschäftigt, etwa die vom „schockierten“ Psychologen Steven Pinker: „Die Entscheidung ist intolerant, fehlbegründet und ignorant. Dawkins hat den Islam kritisiert, aber Kritik ist keine Schmähung.“


Nota. - "Islamkritisch" ist fast dasselbe wie "rechtspopulitisch", und das ist fast so schlimm wie Nazi.
JE


Dienstag, 25. Juli 2017

Übrigens.



Ein amerikanischer Präsident, der nach außen handlungsunfähig, weil innenpolitisch gelähmt ist, ist für die Welt auch nicht besser als einer, der ständig unter Strom steht.



Montag, 24. Juli 2017

Was für ein schäbiger Patron.



Dass er Merkel einen Anschlag auf die Demokratie vorgeworfen hat, war hilflos und lächerlich erregt, aber man versteht, dass er die Nerven verliert. Dass er mit soviel Trara zum Spitzensozi erkoren wurde, hat das Land glauben gemacht, der hat was auf der Hinterhand, und schließlich haben's die Genossen selbst geglaubt. Er aber ist ein Profi, er wusste, dass da nichts war, Mitleid muss mit ihm keiner haben.

Doch dass er jetzt der AfD ihr ausgelutschtes Thema stielt und Feurio schreit, nachdem er damals der Merkel höchst selbst zur Seite getreten ist, stinkt zum Himmel, und man kann nur hoffen, dass ihm die Scheiße um die Ohren fliegt: 20 minus x.




Mittwoch, 19. Juli 2017

Sexismus.



Stelln Sie sich vor, Donald Trump kommt zum Staatsempfang in Bermudashorts, Angela Merkel küsst ihm die Hand und sagt: "Sie haben aber eine sportliche Figur!" 

Würde man das sexistisch nennen? 

Peter Altmeier würde ihr zuraunen, dass Sarkasmus Gift ist für die diplomatischen Beziehungen.





Montag, 17. Juli 2017

Den Ball flach halten.



... Warum also sollte ausgerechnet Angela Merkel jetzt plötzlich konkret werden, wenn auch das Ungefähre reicht? Spiegelstriche bei der Rente, den Steuern, den Geschenken für die Familien werden diese Wahl jedenfalls nicht entscheiden. Es geht am Ende um ein Gefühl. Nämlich darum, wem die Menschen zutrauen, in einem umfassenden Sinn für ihre Sicherheit zu sorgen. Bei wem sie sich eben am besten aufgehoben fühlen. 

Angesichts einer Welt, die aus den Fugen zu geraten scheint, einer Welt mit Terror und Kriminalität, einer Welt voller Trumps und Erdogans. Das ist die Messlatte, danach werden die Wähler abwägen, ob sie für einen politischen Wechsel sind, oder nicht.

Im Moment sieht es so aus, als würde eine Mehrheit wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Die Kanzlerin darf sich auf ruhige Ferien freuen.


Nota. - Sie wollen's einfach nicht begreifen: Politik auf Hausfrauenart ist nicht das, wobei sich die deutschen Wähler zufällig am besten aufgehoben fühlen, sondern das, was dem Land zu dieser Zeit am meisten frommt. Wir können uns weder einen Sonnenkönig leisten noch einen Elefanten im Porzellanladen. Und lächerlich machen wollen wir uns auch nicht.
JE