Montag, 30. November 2015

Kuhhandel?



Lassen wir die Kirche im Dorf. In der Türkei ist die Pressefreiheit in Gefahr, die Demokratie selbst ist dort nicht sicher. Freiheitlich gesonnene Zeitgenossen in aller Welt und namentlich in Europa sehen das mit Sorge. Aber was sie tun können, bleibt sekundär: Nämlich die Türken unterstützen, die sich dagegen zur Wehr setzen. Die tragen die Hauptlast, die kann ihnen keiner abnehmen.

Das gegenwärtige Flüchtlingsproblem ist ein europäisches, unmittelbar. Es kann nur europäisch verstanden und nur europäisch bewältigt werden. In Europa sind manche besser gerüstet, es auf sich zu nehmen, als andere, und dass die andern sich gern drücken würden, ist begreiflich. Da muss wohl einer das Heft in die Hand nehmen, das ist schon klar. Der muss es dann auf sich nehmen, das Notwendige und das Wünschenswerte zu unterscheiden, was immer die Ohnemichels auch wieder maulen werden. Und wenn sich das gegenwärtige Problem als ein dauerndes erweisen sollte, gilt das umso mehr.


Ob dann in der Durchführung womöglich nicht doch wieder falschgemünzt wird, wird man aufmerksam beob-achten müssen. Der Teufel sitzt im Detail, und Vertrauen hat sich in dieser Sache bislang keiner erworben.





Samstag, 28. November 2015

Aber ohne uns.




Am besten wäre es natürlich, wir könnten sie einfach wieder rausschmeißen, aber das erlaubt unser Rechtsstaat nicht, und den werden wir unter keinen, ich meine: unter gar keinen Umständen aufs Spiel setzen; nicht weil sie ihn verdient hätten, sondern weil wir ihn uns schuldig sind. Um seinetwillen werden wir Kröten schlucken. 

Aber uns selber schuldig sind wir ihn, weil wir nicht erst vor den Andern, sondern vor uns selber bestehen wollen. Da wird uns das Pack nicht dran hindern. Wenn sie sagen, zu uns wollen sie nicht gehören, haben sie unsern Segen. Wir auch nicht zu ihnen.




Samstag, 21. November 2015

Bairische Gast-Stätten.


Alle Medien sind sich einig, keiner tanzt diesmal aus der Reihe: Wie sie in Bayern die Flüchtlinge aufgenommen haben und aufnehmen, ist bis heute vorbildlich. Und in andern Bundesländern gar nicht.

Aber das kann doch nicht sein - weil dort zwei Gockel rivalisieren, der eine nachfolgen, der andre aber noch nicht gehen will, wackelt der Schwanz mit dem Hund! Frau Merkel hat sich auf dem CSU-Parteitag nicht den Schneid abkaufen lassen; "noch" nicht, unkt die Tagesschau. Das soll wohl bitte auch so bleiben, die Bayern sind unter den deutschen Stämmen einer der gastfreundlichsten, sie werden uns übrigen doch nicht unsere guten Anlagen verder-ben wollen.




Dienstag, 17. November 2015

Es war ein Fehlschlag.


St. Denis, Stade de France

Der Schock ist vorüber, die Hysterie sollte es auch sein. Es ist Zeit festzuhalten: Rein taktisch ist der Anschlag von Paris misslungen. Die drei Selbstmörder vom Stade de France wurden von den Kontolleuren nicht durchgelassen, sie mussten sich vor den Toren einsam und allein selbst in die Luft sprengen, gerade einer hat es immerhin bis zu McDonalds geschafft.

Man muss auch der Mystifikation von der stupenden Logistik ein Ende machen: Gewiss, ein bisschen Geld wird nötig gewesen sein, das musste irgendwo herkommen, aber so raffiniert, dass nicht ein halbes Dutzend Terroristen das Ding hätten selber durchziehen können, war es nicht, jedenfalls nix im Vergleich zum 11. September. Ich bin kein Fachmann wie all die Fernsehreporter, die wir seit drei Tagen hören und sehen, aber mir will scheinen: Ein Beweis für die Allgegenwart, die Unverwundbarkeit und die Furchtbarkeit des Islamischen Staats war es nun eben nicht.


Wenn einer sagte: In Syrien und im Irak sind sie militärisch auf ihre Grenzen gestoßen, sie sind weiterhin eine Horde bezahlter Söldner; eine Masse von Gläubigen haben sie bis heute nicht für ihre Sache begeistern können, sondern gerademal einen Haufen von Dropouts in der europäischen Diaspora; sie wissen nicht, wie weiter, sie müssen die Initiative peripheren Sympathisanten in Europa überlassen – wenn einer das sagte, klänge er unglaubwürdig?


Macht euch das klar: Das Blutbad, das sie in Paris anrichten wollten, haben sie nicht geschafft. Die Zweiundachtzig vom Bataclan sind nix im Vergleich zu den Zehntausenden, die ihnen im Stade de France entgangen sind.



Montag, 16. November 2015

Paris ändert nicht alle.



Das ist ja wie im Irrenhaus: Eben haben sie vor unserer Haustür, wo du und ich schon manchen Kaffee getrunken haben, Zustände hergestellt wie in Aleppo oder Homs, da posten die Ohnemichels als wär nichts geschehen: Da woll'n mer nix mit zu tun ham! Eben sollte noch der Letzte begriffen haben, dass sich Deutschland viel zu lange raus-gehalten hat, da rufen sie uns zu: Uns müsstet ihr schon totschlagen, damit wir's Maul halten!

Und darum gehts, bei uns müssen sie nicht das Maul halten und wird man sie nicht totschlagen, weil sie ihre Mei-nung haben. Andernorts geschieht das täglich; hinten in der Türkei, wo die Völker aufeinanderschlagen. Und siehe da: Heute ist das nebenan. Das wollten die Gartenzwerge gestern nicht wahrhaben, das verstehen sie auch heute nicht, drei Tage danach. Deutschland hat so lange still gehalten, dass es nicht auf einmal den wilden Mann markieren darf und sagen: Die Flüchtlinge sind nicht unser Problem, da soll sich das Mittelmeer drum kümmern!

Wir haben lange weggeschaut, aber einen Fehler muss man nicht verewigen, man kann ihn auch korrigieren, wenn noch Zeit ist.




Samstag, 14. November 2015

Bittere Lehre.


Was Schorsch Dabbelju vorausschauend im Irak zu verhindern wusste, hat Obama durch sein Zaudern in Syrien möglich gemacht.

Jetzt sitzen wir alle in der Tinte. Über die Flüchtlingslawine darf sich kein Deutscher beklagen. Die Ohnemichels von heute sind nur das späte Echo der damaligen Ohnemichel Schröder und Chirac.

Und wie hieß noch gleich der Dritte im Bunde? Richtig, das war ja der Friedensfreund Putin, der packt jetzt in Syrien mit an. Oh, der hat dazugelernt!

Nicht dazugelernt haben die, die auch heute noch Deutschland aus allem heraushalten wollen. Aber zum Glück sind sie nicht mehr in der Mehrheit.





Pas peur.

Place de la République