Mittwoch, 31. Mai 2017

Ihre beste Zeit kommt erst noch.



Ihre besten Jahre habe sie hinter sich, raunen die Auguren. Doch hat sie ihre größten Prüfungen sicherlich vor sich, schon heute und morgen. Wie wir sie inzwischen kennen, wird sie davor nicht einknicken. Ihre beste Zeit kommt erst noch. 





Sonntag, 28. Mai 2017

Vor 70 Jahren: der Marshall-Plan.

aus Der Standard, Wien, 27. Mai 2017, 14:00                                  George Marshall, M., und Harry S. Truman, 2. v. l.

Marshallplan: Die Geburt des Westens
Der vor 70 Jahren initiierte Marshallplan war nicht nur ein ungemein erfolgreiches Wiederaufbauprogramm für Europa, sondern schuf die Grundlage für eine neue Weltordnung – die US-Präsident Donald Trump nun bedroht 

Essay von  

Es war eine kurze, nüchterne Rede, die US-Außenminister George Marshall am 5. Juni 1947 an der Harvard University hielt. In zwölf Minuten beschrieb er das wirtschaftliche Elend in Europa und schlug eine konzertierte Hilfe der US-Regierung vor, vor allem, um den dramatischen Mangel an Devisen für den Import lebenswichtiger Güter zu finanzieren. "Es ist logisch, dass die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun sollen, um bei der Wiederherstellung einer normalen wirtschaftlichen Gesundheit zu helfen, ohne die es keine politische Stabilität und keinen Frieden geben kann."

Aus diesen Worten erwuchs innerhalb weniger Monate das größte und erfolgreichste internationale Hilfsprogramm der Geschichte. Der Marshallplan dient bis heute als Vorbild für alle größeren internationalen Hilfsinitiativen, von denen allerdings keine ihm auch nur nahekommen konnte. Die – je nach Rechnung – 13 bis 16 Milliarden Dollar, die von 1948 bis 1952 nach Europa flossen, machten rund 2,5 Prozent des amerikanischen BIPs aus – eine heute unvorstellbar hohe Summe. Dazu kamen vergleichbare Gelder für Japan. Jeder einzelne Amerikaner zahlte jahrelang höhere Steuern, um Verbündeten und früheren Feinden aus ihrer Misere zu helfen. Der Marshallplan wirkte aber nicht nur wegen dieser Großzügigkeit und seiner umfassenden wirtschaftspolitischen Auflagen, sondern auch, weil die europäische Wirtschaft hochentwickelt und im Kern gesund war. Sie musste nur wieder in Gang gebracht werden.

Bei der Entstehung dabei

Was Marshall und die Regierung von Präsident Harry Truman damals taten, war allerdings mehr als nur ein wirtschaftliches Projekt. Der Marshallplan war die Grundlage für die Schaffung einer Staatengemeinschaft, die ähnlichen politischen und wirtschaftlichen Werten verpflichtet ist und diese in alle Welt hinaustragen will. Marshalls Rede vor 70 Jahren war die Geburtsstunde dessen, was bis heute der Westen genannt wird. Present at the Creation ("Bei der Entstehung dabei") hat Marshalls damaliger Vertrauter und Nachfolger Dean Acheson, der eigentliche Architekt des Marshallplanes, seine Autobiografie bezeichnenderweise genannt.

Alle Elemente dieser liberalen internationalen Weltordnung waren in seiner Rede enthalten: das Bekenntnis zu Frieden, Demokratie, Marktwirtschaft, freiem Handel und gegenseitiger Solidarität. Nicht Wettbewerb, sondern Kooperation sei das wichtigste Ziel jeder Außen- und Wirtschaftspolitik, das Wohlergehen eines Staates hänge von dem der anderen ab. Diese Gemeinschaft stehe allen Ländern offen, die sich zu den gemeinsamen Werten bekennen; selbst die Sowjetunion war von Marshalls Vorhaben nicht ausgeschlossen. Aber eines stellte er klar: Die Welt brauche eine starke Führung, die mangels Alternative von den USA ausgehen müsse.

Welch ein Kontrast zur 15-Minuten-Rede, die US-Präsident Donald Trump bei seiner Angelobung am 20. Jänner 2017 hielt: Sein "Amerika zuerst"-Appell signalisierte das mögliche Ende jener Ära, die Marshall einst eingeleitet hatte. Seither beobachtet die ganze Welt mit Misstrauen und Sorge, ob Marshalls Visionen oder diejenige von Trumps strategischem Berater Stephen Bannon die amerikanische Politik der kommenden Jahre bestimmen wird. In einem Artikel im aktuellen Foreign Affairs schreibt der prominente Politikwissenschafter John Ikenberry in Anlehnung an einen Philip-Roth-Roman über die "Verschwörung gegen Amerikas Außenpolitik" und stellte darin das Überleben der liberalen Weltordnung infrage.

Wie diese Schlacht innerhalb des Weißen Hauses ausgeht, ist offen. Auch wenn Trumps Instinkte und Worte – nun auch auf seiner Europareise – in eine andere Richtung gehen, stehen viele seiner außenpolitischen und wirtschaftlichen Berater fest in Marshalls und Achesons Tradition und halten den Präsidenten immer wieder davon ab, die von den USA ab 1947 geschaffene Weltordnung – die Welthandelsorganisation, die Nato, die Uno – zu zerstören.

Auch in Europa steht beim Brexit und beim nunmehr gestoppten Vormarsch rechtspopulistischer Kräfte Marshalls Vermächtnis auf dem Spiel. Denn der Marshallplan war auch die Geburtsstunde der europäischen Integration. Schon in seiner Rede vor 70 Jahren forderte der US-Außenminister die europäischen Staaten auf, gemeinsam ihre Bedürfnisse und Beiträge zum Wiederaufbau zu definieren. Zu diesem Zweck gründeten die USA mit ihren Verbündeten 1948 die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC), aus der Jahre später die OECD wurde. Sie war die Keimzelle einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik und half beim Abbau von Handelsschranken und der Erleichterung grenzüberschreitender Investitionen.

Keimzelle Europas

Ebenso wichtig war ab 1950 die Europäische Zahlungsunion (EZU), die dem Ausgleich von Defiziten und Überschüssen zwischen den Leistungsbilanzen europäischer Staaten diente – eine Aufgabe, die später vom freien Kapitalverkehr übernommen wurde, aber seit Ausbruch der Euroschuldenkrise wieder zum Teil von überstaatlichen Einrichtungen erfüllt werden muss. Aus diesen US-gesponserten Institutionen erwuchs 1951 die Montanunion, die Keimzelle der späteren Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der EU.

Die Unterstützung der europäischen Integration war 70 Jahre lang ein Grundprinzip der US-Außenpolitik; die USA nahmen dafür auch die Schlechterstellung ihrer Waren und Dienstleistungen im europäischen Binnenmarkt in Kauf, um den Frieden auf dem Kontinent zu sichern, auf dem sie zweimal in den Krieg ziehen mussten. Wieder war es Trump, der – zumindest während des Wahlkampfes – diese Haltung als Erster infrage stellte und die EU als von Deutschland geführte Verschwörung gegen US-Handelsinteressen darstellte.

Der Marshallplan wurde auch deshalb zum Geburtshelfer des Westens, weil er die Teilung Europas begründete. Marshalls Angebot richtete sich zwar an alle Europäer vom Atlantik bis zum Ural. Aber wie der österreichische Historiker und Marshallplanexperte Günter Bischof in seinem neuen Buch beschreibt, entschied die Sowjetunion sehr rasch, dass dies ein amerikanischer Plan für eine "westliche Blockbildung" war – und zwang die Staaten unter ihrer Kontrolle, den Plan abzulehnen. Das war insofern richtig erkannt, als der Marshallplan auch darauf abzielte, "durch Schaffung von Wohlstand der Attraktivität der Sowjetunion entgegenzutreten", sagt Bischof. "Der Eiserne Vorhang wurde zur Wohlstandsgrenze", die bis heute zu spüren ist.

Das betraf vor allem Österreich. "Dass Österreich teilnehmen konnte, war eminent wichtig für die Westbindung des Landes", sagt Bischof. Dies sei auch der Klugheit der US-Militärs damals zu verdanken, die sicherstellten, dass Marshallplanmittel auch in die sowjetische Ostzone fließen würden – wenn auch weniger als in den Westen.

Und die Teilnahme an den OEEC-Sitzungen in Paris prägte eine ganze Generation österreichischer Politiker, sagt Bischof: "Kreisky schrieb einmal: Österreicher gingen nach Paris und wurden dort zu Europäern."

Langsamer Zerfall

Wie sehr der Marshallplan und die westliche Allianz Bauplan für eine liberale Weltordnung oder Instrument des Kalten Krieges waren, darüber gehen bis heute die Meinungen auseinander. Politikwissenschafter aus der Schule des Realismus wie Stephen Walt sagten schon in den 1990er-Jahren den langsamen Zerfall des Westens voraus (The Ties That Fray – Why Europe and America are Drifting Apart), nachdem der gemeinsame Feind Sowjetunion abhandengekommen sei.

Aber trotz aller Spannungen, vor allem nach der US-Invasion des Irak, hat Marshalls Vision der gemeinsamen Wirtschaftsinteressen, politischen Ziele und Werte überlebt – und ist heute nicht mehr auf Nordamerika und Europa beschränkt. Und auch die ersten Monate der Trump-Präsidentschaft geben Grund zur Hoffnung, dass die Idee des Westens auch diese Präsidentschaft überlebt.

Günter Bischof, Hans Petschar, "Der Marshallplan seit 1947. Die Rettung Europas – Der Wiederaufbau Österreichs". Brandstätter-Verlag. Erscheinungstermin: 12. Juni

Mittwoch, 24. Mai 2017

Don Alfonso über Leitkultur.

aus FAZ.NET, 24. 5. 2017

... Man kann die Idee einer Leitkultur und einer Identität leicht verneinen, wenn man sich über Normen einig ist: Dann scheint es, als gäbe es so etwas gar nicht, weil es jeder automatisch tut, und man es nicht als relevant ansieht. Niemand käme auf die Idee, Ehebruch in Deutschland zu einer gesellschaftlichen Norm zu erklären: Das wird halt bei uns so gemacht, bis hinauf zum höchsten Politikerinnen und Politikern gleich welcher Partei. 

Dass es sehr wohl etwas mit unserer Identität zu tun hat, merkt man erst, wenn man in die andernorts geltende Scharia blickt. Es muss ja nicht gleich Steinigung sein, aber es gibt international sehr unterschiedliche Vorstellungen, welches Verhalten statthaft ist. 

Man denkt darüber einfach nicht nach, wenn man daheim ist. Aber wer nicht glaubt, dass es so etwas wie eine spezifisch deutsche Leitkultur gibt, sollte einfach längere Zeit im Ausland verbringen – es muss noch nicht einmal Iran oder Nordkorea sein.



 

Sonntag, 21. Mai 2017

Eine Ethik für die digitale Revolution?


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Innovation 4.0: Der Mensch im Mittelpunkt der vierten industriellen Revolution

Claus Schönberner 
Pressestelle 
Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb

17. 5. 2017

Eine Standortbestimmung von Ethik in der 4.0-Ära: Das World Forum for Ethics in Business und das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb haben eine Konferenzserie ins Leben gerufen, um eine Debatte aller beteiligten Akteure zum Thema „Ethik in der Innovation“ anzustoßen. Die erste Konferenz findet vom 26. bis 27. Juni 2017 in München statt.
Vor dem Hintergrund, dass sich die Welt, wie wir sie kennen, in einem unglaublich hohen Tempo verändert, gibt es Vorhersagen, dass 40 Prozent der weltweit führenden Unternehmen in einem Jahrzehnt nicht mehr existieren werden, wenn sie sich nicht ausreichend auf die neue Ära vorbereiten. Zweifellos ist die vierte industrielle Revolution im Begriff, eine Welt zu schaffen, in der virtuelle und physische Systeme flexibel miteinander zusammenarbeiten. Sie verändert nicht nur, wie wir arbeiten, leben und miteinander in Beziehung treten, sondern auch die Essenz dessen, was es bedeutet, Mensch(lich) zu sein.

In Anbetracht der Notwendigkeit, ethische Standards, Regulierungen und Führungsstrukturen im Bereich Innovation zu diskutieren und neu zu definieren, richten das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb und das World Forum for Ethics in Business, in Partnerschaft mit dem Europäischen Patentamt, dem Deutschen Patent- und Markenamt sowie dem Peter Löscher Lehrstuhl für Wirtschaftsethik der Technischen Universität München, die „Münchner Konferenzreihe über Ethik in der Innovation“ aus. Die erste Konferenz findet vom 26. bis 27. Juni 2017 im Deutschen Patent- und Markenamt in München statt und konzentriert sich auf die Informations- und Kommunikationstechnologien mit besonderem Schwerpunkt auf Innovationen im digitalen Zeitalter, einschließlich künstlicher Intelligenz, Internet of Things und Big Data.

Die Konferenz wird rund 300 globale Denker und führende Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen zusammenbringen und verschiedene zentrale Fragen adressieren:

• Innovation 4.0: Kann Wachstum wirklich das übergeordnete Leitbild der vierten industriellen Revolution sein? Wie können wir sicherstellen, dass diese Revolution gemeinsame Werte generiert und menschlich zentriert ist, anstatt zu trennen und zu entfremden?


• Leadership 4.0: Welche Art von Führung benötigen Organisationen, um innovativ sein und sich mit der erforderlichen Geschwindigkeit verändern zu können?


• Bildung 4.0: Kann wertorientierte Bildung die Antwort auf die Notwendigkeit adäquater Führung sein?
• Corporate Social Responsibility 4.0: Wie können wir sicherstellen, dass die vierte industrielle Revolution nicht „ihre Kinder frisst“, sondern tatsächlich gemeinsame Werte schafft?

Zu den bestätigten Referenten zählen unter anderen Prof. Dr. Ferdi Schüth, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft; Prof. Dr. Josef Drexl, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb; Prof. Dr. Christoph Lütge, Peter Löscher Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der TU München; Sri Sri Ravi Shankar, Gründer des World Forum for Ethics in Business; Jo Leinen, Mitglied des Europäischen Parlaments; Jaan Tallinn, Mitbegründer von Skype; Robert Hansor, Direktor für globale Nachhaltigkeitspolitik und Systeme bei Huawei Technologies; sowie Prof. Dr Luciano Floridi, Universität Oxford.

Ein Highlight der Konferenz wird der „Appell der Jugend“ sein: Ausgewählte Studenten und Berufseinsteiger bekommen die Möglichkeit, drei Tage vor der Konferenz im Rahmen des „World Youth Forum“ an einem ganzheitlichen Leadership-Training teilzunehmen, bei dem sie mit internationalen Führungspersönlichkeiten interagieren (https://www.wyfei.org/). Bereits über 350 junge Menschen aus mehr als 30 Ländern haben in den letzten Jahren an einem „World Youth Forum“ teilgenommen. Für dieses Jahr haben sich bereits rund 200 Studenten aus der ganzen Welt beworben; die Bewerbungsfrist wurde bis 30. Mai 2017 verlängert. Das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb wird die Top 50-Kandidaten am 1. Juni 2017 bekannt geben.

Die mit der „Ethics in Innovation“-Konferenz und dem „World Youth Forum“ verbundene Forschung wird von einem international besetzten Team unter Führung von Prof. Dr. Josef Drexl, Prof. Dr. Christoph Lütge, Dr. Mrinalini Kochupillai und Dr. Arul Scaria durchgeführt.

Die Konferenz ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Weitere Informationen, insbesondere zur Anmeldung und zu den Referenten, finden Sie unter: http://wfeb.org/


Über die Veranstalter

Das World Forum for Ethics in Business (WFEB) ist eine eingetragene, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Belgien (N° 822.216.342). Der Auftrag des Forums beinhaltet die unterschiedlichsten Aktivitäten, um unverzichtbare ethische Grundlagen wirtschaftlichen Handelns in einer globalisierten Umgebung zu verfolgen und zu etablieren. Sie stellt eine Plattform bereit zur Förderung und zum Schutz der Lösungsansätze für ethisches Verhalten in Unternehmen sowie im Bereich Unternehmensführung, Sie erleichtert den weltweiten Dialog und fördert die Zusammenarbeit zwischen dem privaten Sektor, der Wissenschaft, den Regierungsbehörden, den internationalen Organisationen und den Medien. Ebenso gilt das Hauptaugenmerk der Organisation auch den spirituellen und säkularen Gemeinschaften sowie allen anderen Interessengruppen. Das WFEB hält einen Sonderberaterstatus im Wirtschafts-und Sozialrat der Vereinten Nationen inne. Präsidentin des World Forum for Ethics in Business ist Rajita Kulkarni. Vorstandsmitglieder sind Abha Joshi-Ghani, Vice-President, Leadership, Learning and Innovation, The World Bank; Jo Leinen, Mitglied des Europäischen Parlaments, Nirj Deva, Mitglied des Europäischen Parlaments, Madhu Rao, Vice-Chairman der Shangri-La Hotelkette, Roland Glaser, früherer CEO der Minerva Schulen und Ram Lakhina, Vorsitzender der Indischen Industrie- und Handelskammer in den Niederlanden. Managing Directors des WFEB sind Christoph Glaser und Ewald Poeran. Weitere Informationen unter: http://wfeb.org/

Im Mittelpunkt der Forschung am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb stehen die Erforschung von Innovations- und Wettbewerbsprozessen sowie die Erarbeitung von Vorschlägen für die Gestaltung der Rahmenbedingungen für diese Prozesse. Die Forschungsfragen werden in einer rechtswissenschaftlichen und einer wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung untersucht. Das Institut wurde im Jahr 1966 als Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht gegründet. Nach der Einrichtung einer neuen wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung wurde es im Jahr 2013 in Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb umbenannt. Das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb ist eines von 83 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, eine von Deutschlands führenden Forschungsorganisationen. In der Auswahl und Durchführung ihrer Forschungsaufgaben sind die Max-Planck-Institute frei und unabhängig. Sie verfügen daher über einen eigenen, selbst verwalteten Haushalt, der durch Projektmittel von dritter Seite ergänzt werden kann. Die Forschung am Institut muss den wissenschaftlichen Exzellenzkriterien der Max-Planck-Gesellschaft genügen, was durch regelmäßige Evaluation überprüft wird. Weitere Informationen unter: http://ip.mpg.de/

Samstag, 20. Mai 2017

Sozialität und Paarbildung.

 aus derStandard.at, 4. April 2017, 10:18

Wurzeln der Kooperation liegen in engen Zweier-Freundschaften
Österreichischer Biomathematiker Martin Nowak entdeckte Formel für die Entwicklung von Zusammenarbeit in einer Gesellschaft

Wien – Enge Zweierfreundschaften sind mehr wert als ein loses Netzwerk an Bekanntschaften, wenn es um den Zusammenhalt in einer Gesellschaft geht: Zu diesem Schluss kommt ein Team um den österreichischen Biomathematiker Martin Nowak. Die Forscher fanden erstmals eine Gleichung, wie die natürliche Selektion in einer realistischen Bevölkerung Kooperation hervorbringt. Die Studie erschien im Fachmagazin "Nature".

Bisher konnte man nur ausrechnen, wie Kooperation in einer Population entsteht, wenn jeder exakt gleich viele Bekanntschaften hat, erklärte Nowak, der an der Harvard University (USA) forscht. Die mathematische Beschreibung eines wirklichkeitsnahen Beziehungsnetzwerks sei eigentlich so komplex, dass sie laut gängiger Computerwissenschaft gar nicht möglich ist – ausgenommen in Grenzfällen. 

Grenzfälle in Beziehungsnetzwerken

"Wenn die Evolution nur schwach wirkt und vieles vom Zufall abhängt, ist genau so ein Grenzfall", sagte Nowak. Bei regelmäßigen Treffen mit Mathematik-Kapazundern wie dem Fields Medaillen-Gewinner Shing-Tung Yau und dem Mathematik-"Jungstar" Ben Allen sei man schließlich auf die Formel gekommen.

Schon 1992 hat Martin Nowak mit seinem damaligen Mentor Robert May (heute Lord May of Oxford) in "Nature" eine Arbeit veröffentlicht, bei der gezeigt wurde, dass bestimmte Beziehungsstrukturen in einer Bevölkerung Kooperation ermöglichen. "Seit damals sucht man nach der allgemeinen Formel, die jetzt gefunden wurde", erklärte er. Wenig Kooperation auf Basis von Facebook

Die Forscher untersuchten mit dieser Formel verschiedenste Beziehungsnetzwerke bei Menschen, Delfinen und Primaten. Am wenigsten Kooperation brachte dabei das soziale Internet-Netzwerk Facebook hervor, berichten sie.

"Am besten für die Kooperation sind stabile paarweise Beziehungen, also Partnerschaften und Freundschaften", sagte Nowak. Sie bilden quasi das Rückgrat der Zusammenarbeit in einer Gesellschaft und könnten durch eine große Zahl an losen Bekanntschaften und Verbindungen niemals ersetzt werden. (APA, red,)

Abstract
Nature: "Evolutionary dynamics on any population structure."


Montag, 15. Mai 2017

Dieser Zug ist abgefahren.



In der Politik kommt man ohne Politik nicht aus. Donald Trump meinte, Hype reicht. Seit spätestens gestern wissen wir: In Deutschland reicht sie nicht. Trump wird noch merken, dass sie auf die Dauer auch in Amerika nicht reicht.