Dienstag, 26. Februar 2019

Das Silber zog die Phönizier nach Westen.

Der Silber-Hort von Ein Hofez.
aus Tagesspiegel.de, 26. 2. 2019                                                    Der Silber-Hort von Ein Hofez

Antike Handelswege  
Die Phönizier folgten dem Silber nach Westen
Als Seefahrer trieben die Phönizier entlang der Mittelmeerküste Handel und gründeten Siedlungen. Eine Studie klärt jetzt, was sie gen Westen zog.

Auf der Suche nach Silber zog es die Phönizier vor knapp 3000 Jahren immer weiter nach Westen - vom östlichen Mittelmeer bis zum Atlantik. Israelische Forscher rekonstruieren aus der eingehenden Analyse von Silberfunden die Ausbreitung dieser Gruppe nach Westen. Das phönizische Stammland lag an der Levante - also an der östlichen Mittelmeerküste vom heutigen Syrien über den Libanon bis ins nördliche Israel. Die frühesten phönizischen Siedlungen auf Sardinien und im Süden der Iberischen Halbinsel gingen eindeutig auf die Silberproduktion zurück, schreibt das Team um Tzilla Eshel von der Universität Haifa in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften ("PNAS").

Die Phönizier sind vor allem als Produzenten, Händler und Seefahrer berühmt, die ihr Handelsnetz schon im frühen ersten vorchristlichen Jahrtausend bis zum Atlantik ausdehnten und an den Küsten Südeuropas und Nordafrikas Siedlungen gründeten. Wann und warum die Phönizier diese Verbindungen einrichteten, sei umstritten, schreiben die Forscher.

Das Silber der Phönizier stammte aus Anatolien und Sardinien

Um das zu klären, analysierten sie per Isotopenanalyse Silberobjekte von drei frühen Siedlungen im Norden von Israel: Dor, Akko und Ein Hofez. Aus diesen Untersuchungen leiteten sie die Herkunft des Silbers ab, das im phönizischen Stammland selbst nicht vorkommt.


Die Funde aus Dor, dem ältesten der drei Fundorte, stammen aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts vor Christus. Die damals verwendeten Erze kommen den Autoren zufolge vorwiegend aus dem anatolischen Bolkardag im Taurus-Gebirge und von der Ägäisinsel Santorin. Vereinzelt stießen die Forscher auch auf Erze aus Iglesiente im Südwesten von Sardinien.

Auch das Silber von Akko, einer Siedlung aus dem 10. und 9. Jahrhundert vor Christus, stammte aus Anatolien und Sardinien. In Sardinien wurde Silber durch das Verfahren der Kupellation, das dort wahrscheinlich von den Phöniziern eingeführt wurde, mit Hilfe von Blei extrahiert und dann zur Levante verschifft.

Eine Kette von Siedlungen entlang des Transportwegs

Die Herkunft des Edelmetalls ändert sich jedoch im Lauf des 9. Jahrhunderts, wie die Analyse der Funde aus Ein Hofez zeigt: Hier weisen nur noch 2 von 29 Objekten die Signatur anatolischer Erze auf. Alle übrigen Stücke stammen von der Iberischen Halbinsel. Dort reicherten die Phönizier vor allem silberhaltiges Jarosit mit Blei an, um das Edelmetall ebenfalls durch Kupellation zu extrahieren. Das Blei wurde von verschiedenen Orten zu den Produktionsstätten gebracht. Bei 6 der 29 Objekte stammt es aus Linares im heutigen Andalusien. Das Blei der übrigen 21 Objekte kommt von verschiedenen anderen Orten im heutigen Südwestspanien.

"Diese Resultate bieten eine weitere Erklärung für die Dichte der phönizischen Siedlungen im frühen 8. Jahrhundert vor Christus entlang der Flüsse und Küsten im südlichen Iberien", schreiben die Forscher. "Diese dienten als Stationen für den Transport von Blei." Das Silber aus Ein Hofez belege die früheste phönizische Präsenz auf der Iberischen Halbinsel, schreibt das Team. Dieses Silber dominierte den phönizischen Markt demnach länger als ein Jahrhundert.

Die Funde von Ein Hofez zeigten, dass die Silberproduktion mit den frühesten phönizischen Siedlungen entweder einher- oder ihnen sogar vorausgegangen sei, schreibt das Team. "Iberisches Silber war möglicherweise der wichtigste, und wahrscheinlich der früheste Grund für phönizische Aktivitäten auf der Halbinsel", betonen sie.

Später änderte sich die Herkunft des Silbers wieder: Ab dem 7. Jahrhundert vor Christus stammte das Silber den Autoren zufolge aus Lavrio im Südosten Griechenlands. Walter Willems (dpa)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen