Freitag, 7. Juli 2017

Handelswege der Jungsteinzeit.

Das gut 5.000 Jahre alte Kupferbeil von Ötzi, der Gletschermumie.
aus scinexx

Ötzis Beilklinge stammte aus der Toskana
Unerwartete Herkunft des Kupfers wirft neues Licht auf jungsteinzeitlichen Fernhandel

Überraschende Fernverbindung: Das Kupfer von Ötzis Beilklinge stammt aus unerwarteter Quelle. Denn es wurde in der Toskana gewonnen und verarbeitet, wie Analysen belegen. Unerwartet ist dies, weil es auch im Alpenraum und auf dem Balkan reichlich Kupferabbau gab, weshalb Archäologen bisher von einem lokalen Ursprung ausgingen. Warum Ötzi das Kupfer oder sogar die fertige Klinge aus Mittelitalien bezog, ist bisher rätselhaft. 

Auch mehr als 25 Jahre nach ihrem Fund liefert die Gletschermumie Ötzi immer neue Einblicke in das Leben und die Welt dieses Mannes aus der Kupferzeit. Seine Kleidung, Ausrüstung, Gene und sogar sein Blut verraten unter anderem, dass Ötzi aus dem südlichen Alpenraum stammte, einen hohen Rang bekleidete und höchstwahrscheinlich gewaltsam starb. Der Mann aus dem Eis vertrug zudem keine Milch, hatte schlechte Zähne und litt wahrscheinlich unter einem Magengeschwür. 

Woher stammt das Kupferbeil?

Eine weitere Information liefert nun das Kupferbeil, das bei der Gletschermumie gefunden wurde. Es blieb mitsamt Holzgriff und Lederschnüren erhalten, wodurch sein Alter mittels Radiokarbondatierung auf etwa 5.000 bis 5.350 Jahre datiert werden konnte. Damit ist dies das weltweit älteste komplett erhaltene Beil der Jungsteinzeit. Frühere Studien hatten zudem bereits gezeigt, dass die Beilklinge gegossen und nicht geschmiedet wurde. 

Woher jedoch das Kupfer für die Klinge stammt, haben erst jetzt Gilberto Artioli von der Universität Padua und seine Kollegen aufgeklärt. Sie hatten dafür eine winzige Probe des Metalls entnommen und mittels unter anderem mittels Massenspektrometrie auf seine chemische Zusammensetzung analysiert.

Die Beilklinge aus Kupfer in Nahansicht 

Toskana statt Alpen

Das überraschende Ergebnis: Das Kupfer stammt weder aus dem Alpenraum noch vom Balkan, was man bisher angenommen hatte. Stattdessen muss das Kupfererz in der Toskana gewonnen und verarbeitet worden sein, wie die Forscher anhand der Isotopensignatur des Metalls herausfanden. "Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass die Quelle des Metalls das erzreiche Gebiet der Südtoskana ist", berichten Artioli und seine Kollegen.

Wie die Forscher erklären, passt dies relativ gut zu jüngsten archäologischen Funden in der Toskana. Denn dort hatten Archäologen Überreste von Kupferschlacken und Kupferschmelzen entdeckt, die aus der Zeit um 3400 bis 3100 vor Christus stammen – und damit etwa aus der Zeit, in der der Eismann lebte. Offenbar gab es demnach dort während seiner Zeit ein bedeutendes Zentrum der Metallverarbeitung. 

Neues Sicht auf Handelsverbindungen

Obwohl es damals im Alpenraum reichliche Erzvorkommen gab, die auch intensiv genutzt wurden, wurde das Kupfer für Ötzis Beil offensichtlich nicht lokal gewonnen, sondern importiert. Diese enge Verbindung von Mittelitalien mit den Alpen sei unerwartet, so die Archäologen: "Dies liefert eine ganz neue Sicht des Austauschs von Gütern und der Beziehungen über weite Entfernungen hinweg in diesen frühen Kupferzeit-Kulturen."

"Damit erscheint die Klinge des Eismannes in einem völlig neuen Licht", konstatieren die Wissenschaftler. Unklar ist allerdings noch, in welcher Form das Kupfer von Ötzis Beil von der Toskana in die Alpen gelangte: Denkbar wäre, dass das Metall als Rohmaterial, beispielsweise als Kupferbarren eintauscht oder erhandelt wurde. Möglich wäre aber auch, dass Ötzi oder jemand anderes in seinem Umfeld die fertige Beilklinge erwarb.

Die Archäologen hoffen, diese Frage in weiteren Forschungen zur jungsteinzeitlichen Metallverarbeitung in Mittelitalien und den Alpen klären zu können. (PLoS ONE, 2017; doi: 10.1371/journal.pone.0179263)

(Südtiroler Archäologiemuseum, 07.07.2017 - NPO)

Mittwoch, 5. Juli 2017

Der Karlsgraben.

Historisches Bild vom Bau des Karlsgrabens aus dem "Fries Franconia".
aus scinexx                                                                            Historisches Bild vom Bau des Karlsgrabens aus dem "Fries Franconia"

Kanalbau Karls des Großen begann früher 
Archäologen identifizieren ältesten Teil des frühmittelalterlichen Karlsgrabens

Monumentales Bauwerk: Seit Jahrzehnten streiten Historiker darüber, wann der berühmte Schifffahrtskanal Karls des Großen gebaut wurde. Jetzt liefern Holzbohlen aus den Überresten des Karlsgrabens die Antwort. Demnach begannen die Kanalbauarbeiten schon im Jahr 792 – und damit deutlich früher als bisher gedacht. Daraus folgt, dass Karl der Große die Baustelle erst besuchte, als die Arbeiten schon weit fortgeschritten waren. 

Ein ehrgeiziger Plan: Im frühen Mittelalter gab Karl der Große den Befehl zu einem monumentalen Bau: Er wollte Rhein und Donau über einen Schifffahrtsweg verbinden. Dafür jedoch musste eine Wasserscheide in der Nähe des bayrischen Orts Graben durch einen rund drei Kilometer langen Kanal überbrückt werden. Reste dieser Fossa Carolina sind heute noch erhalten und werden seit einigen Jahren von Archäologen ausgegraben und intensiv untersucht.
Karlsgraben; Reste der Fossa Carolina in Graben bei Treuchtlingen

Unklar war jedoch bisher, wann genau der Bau dieses Kanals begann. Historische Dokumente berichten, dass Karl der Große im Herbst 793 die Baustelle des Karlsgrabens besucht hat – aber war dies der erste Spatenstich? Nach andere Quellen sollen die Bauarbeiten bereits im Jahr 792 begonnen haben.


Baubeginn im Winter 792/793


Eine Antwort liefern nun gut erhaltene Holzbohlen, die die Archäologen im nördlichsten und Teil des Kanals entdeckt haben. Dieser Kanalabschnitt war im Jahr 2016 als letzter Teil der Fossa Carolina ausgegraben worden. Datierungen dieser Holzreste belegen nun: Die Bauarbeiten an diesem Kanalabschnitt müssen bereits im Winter 792/793 begonnen haben – und damit deutlich früher als bisher angenommen.




Eichenpfähle der Uferbefestigung

Das aber bedeutet: Beim ersten Spatenstich dieses historischen Bauvorhabens war Karls der Große nicht dabei. Als er im Herbst 793 die Baustelle besuchte, waren die Arbeiten schon weit fortgeschritten. Die Neudatierung beantwortet damit die seit über 100 Jahren kontrovers diskutierte Frage nach dem Baubeginn und wirft ein neues Licht auf den historischen Kontext des Bauvorhabens, wie die Forscher erklären.
 

Überraschend auch für die Archäologen


"Die neuen Datierungen sind nicht nur in ihrer Präzision außergewöhnlich. Dadurch erschließen sich auch völlig neue Aspekte der historischen Einordnung und technischen Umsetzung des Bauvorhabens", kommentiert Lukas Werther von der Universität Jena. Überrascht waren die Archäologen unter anderem davon, dass der Kanalbau ausgerechnet am Nordende begann – einen zuvor wenig auffälligen Kanalabschnitt.
Karlsgraben; Reste der Fossa Carolina nördlich von Graben

"Der Karlsgraben ist wie ein großes Buch mit stark verblichenen Seiten", konstatiert Sven Linzen vom Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena. "Mit modernster Technik können wir nun gemeinsam Kapitel für Kapitel entschlüsseln. Was mögen die nächsten Kapitel an Überraschungen bereithalten?"
Durch die präzisen und unterschiedlichen Datierungen erwarten die Forschenden erstmals Hinweise zur Baurichtung einzelner Kanalabschnitte und zu Organisationsdetails der Großbaustelle. Auch zur Frage der Fertigstellung oder Nichtfertigstellung einzelner Bauabschnitte sind neue Ergebnisse zu erwarten.
(Friedrich-Schiller-Universität Jena, 05.07.2017 - NPO)
Bau des Karlsgrabens, künstlerische Darstellung in der Würzburger Bischofschronik des Lorenz Fries.

Samstag, 1. Juli 2017

Kubas "tiefer Staat".


 
Donald Trump will auch die Kuba-Politik Barrack Obamas rückgängig machen. Das könnte gravierende Folgen für die dortige Wirtschaft haben. Die Neue Zürcher bringt dazu heute einen Bericht von Richard Bauer.

... An den Kragen gehen soll es in erster Linie den Staatsunternehmen auf Kuba, die von den Militärs beherrscht werden. Und deren gibt es Unzählige. Bedroht sind alle bestehenden und künftigen Geschäftsbeziehungen amerikanischer Unternehmen mit Firmen, die dem Ministerium der Revolutionären Streitkräfte angegliedert sind und wo der Generalverdacht besteht, dass sich der engste Kreis der Gefolgschaft Castros persönlich bereichert. Die Generäle und Offiziere kontrollieren wichtige Geschäftszweige, die vor allem in harten Währungen operieren. Dazu gehören der boomende Tourismus und die üppig fliessenden Überweisungen der Exilkubaner, die Rimessen.

«Wohlweislich investieren die Holdinggesellschaften der Militärs in die international ausgerichteten, lukrativen Sektoren der kubanischen Wirtschaft», schreibt Richard Feinberg, ein amerikanischer Kubaspezialist. Sein Fazit: Damit bringen sich die militärischen Technokraten in eine Position, die in einem nach aussen geöffneten und global auftretenden Kuba wichtig sein wird. Bekannt ist, dass die militärischen und zivilen Eliten in Havanna die Prozesse, die sich in den Transitionsländern nach dem Ende der Sowjetunion abgespielt haben, genau studiert haben, um daraus ihre Lehren zu ziehen.

Alles deutet darauf hin, dass sich die Generäle ihre Pfründen auch für den Fall eines Zusammenbruchs des Revolutionsregimes zu erhalten suchen. Sie werden beim Übergang von der Staats- zur freien Marktwirtschaft ein Wörtchen mitreden und dank geschickten Privatisierungen ihre wirtschaftliche Zukunft absichern wollen.

Schätzungsweise 40 bis 60 % der kubanischen Deviseneinkünft würden mittlerweile vom Unternehmen erwirtschaftet, die unter der Kontrolle der Revolutionären Streitkräfte stehen. Eine große Rolle spielen dabei die sogenannten Dollarläden, wo Kubaner importierte Waren zu überhöhten Preisen kaufen können. Wenigstens 70% des Einzelhandels mit Importen befänden sich in den Händen des Militärs.

 
Kernstück des militärischen Wirtschaftsimperiums sind die zwei Holdinggesellschaften Grupo de Administración Empresarial Gaesa und Corporación Cimex. ...

Seit Raúl Castro im Jahr 2008 die Regierungsgeschäfte von seinem inzwischen verstorbenen Bruder Fidel übernommen hat, ist der Einfluss der Militärs auf die kubanische Wirtschaft rasant gestiegen. Im Gegensatz zu den Apparatschiks der Staatsbürokratie und den Parteibonzen gelten die Offiziere in Kuba als disziplinierte, effiziente und gut geschulte Manager. Mit dem Transfer der Gruppe Cimex vom mächtigen Innenministerium – diesem untersteht der Staatssicherheitsdienst – an das Armee-Ministerium gelang Raúl Castro 2010 ein Meisterstück. 

Beide Ministerien verfügten ursprünglich über getrennte Unternehmen, deren Profite zur Selbstfinanzierung ihrer Institutionen und als Portokasse zur Befriedigung der Luxusbedürfnisse der Offiziere dienten. Fidel Castro spielte zeit seines Lebens die zwei wichtigsten Stützen seiner Macht gegeneinander aus. Gleichberechtigt durften sich Polizei und Militär aus dem begehrten Devisen-Topf bedienen. Am Umsatz gemessen, war Cimex bis zur Übernahme durch die Militärs das grösste Unternehmenskonglomerat Kubas. Hier war unter anderem der ganze Export von Rum, Tabak, Zucker und Kaffee angesiedelt.

Seit dem Tod Fidel Castros hat das Militär seinen Einfluss im Tourismus- und Finanzgeschäft ausgeweitet. Der von Fidel protegierte Historiker Eusebio Leal, der die Altstadt von Havanna zum Unesco-Weltkulturerbe machen konnte, wurde entmachtet und seine Unternehmensgruppe Habaguanex der Gaesa-Holding angeschlossen: Er hatte zu viel Erfolg gehabt.

Die andere bedeutende Übernahme durch Gaesa betrifft die für den Aussenhandel zuständige Staatsbank Banco Financiero Internacional (BFI). Sie ergänzt das Monopol der Financiera Cimex (Fincimex), über die alle Devisentransaktionen der Exilgemeinde und von Reservationsplattformen für Unterkünfte wie etwa Airbnb laufen. Auch ist Fincimex der einzige autorisierte Geschäftspartner von Western Union und erledigt das Kreditkartengeschäft für Visa und Mastercard. Gut in Stellung gebracht haben sich die Militärs im Tiefseehafen von Mariel und der angrenzenden Industriezone. Almacenes Universales, ein weiteres Unternehmen von Gaesa, sorgt für den Transport von Containern und betreut die Infrastruktur des Industriegebiets.

Während der privilegierten Wirtschaftsbeziehungen mit der Sowjetunion herrschte ein bequemer Trott. Der Tourismus spielte keine Rolle und wurde miusstrauisch kleingehalten.

Das änderte sich schlagartig in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als es in Kuba an allem fehlte und Fidel Castro eine Art Kriegswirtschaft, die Sonderperiode in Friedenszeiten, ausrufen musste. Plötzlich erinnerte man sich an vorrevolutionäre Zeiten, als Kuba als karibisches Touristenparadies bekannt war. Die Militärs, damals angeführt von Armeegeneral Raúl Castro, stiegen ins Tourismusgeschäft ein. Der zermürbende Krieg in Angola war beendet, die kubanischen Streitkräfte auf ein Minimum reduziert. Beschäftigungslose Offiziere gab es in Hülle und Fülle. Die Fähigsten wurden an Management-Schulen ins Ausland geschickt.

Zurück auf der Insel, vertrauten die Generäle den neuen Kadern die Leitung wichtiger Unternehmen im Tourismussektor an. Geschaffen wurde ein olivgrüner Staat im Staat. Schritt für Schritt wurde der Grupo de Turismo Gaviota zur zentralen Schaltstelle ausgebaut, an der noch heute kein ausländischer Reisevermittler und kein Tourist vorbeikommt. Militärische Pünktlichkeit, ein geschniegeltes Auftreten und Ausdrücke aus der Kasernenwelt verraten die Herkunft vieler Mitarbeiter. Wer sich für einen Job bei einem Unternehmen der Gaviota-Gruppe bewirbt, erreicht sein Ziel meist mit Schmiergeld, eine willkommene Einnahmequelle für mittlere Kader.

Zu Gaviota, einem Unternehmen der Holding Gaesa, gehören die Taxibetriebe Cubataxi, Panataxi und Havanataxi. Transgaviota verleiht Mietwagen und organisiert Busreisen. Aerogaviota bedient mit eigenen Flugzeugen Inlandflüge, im Cockpit sitzen ehemalige Militärpiloten. Gaviota Tours betreibt ein Netz von Reisebüros. Mit Comercial Gaviota muss jeder Hotelier und Restaurantbetreiber geschäften, will er ausländische Produkte für seinen Betrieb einführen, vom Shampoo über Wein bis zu Sonnenschirmen und Liegestühlen. Die fünf Jachthäfen des Landes sind Teil von Gaviota, ebenso 55 Hotels, 26 Restaurants und 18 Ferienanlagen. Auch Hotels internationaler Ketten haben in der Regel eine Beteiligung von Gaviota. Beispiele sind das jüngst eingeweihte erste echte Fünfsternhotel der Insel, das von der Genfer Gruppe Kempinski geführt wird, oder das 2016 eröffnete «Sheraton» der Marriott-Gruppe. ...


Nota. - Der Ausdruck tiefer Staat wurde in Ägypten unter Hosni Mubarak geprägt, um die typische Verflechtung des Militärapparats mit Industrie und Handel zu bezeichnen. Der Tiefe Staat hat Mubarak gerade noch rechtzei- tig fallen lassen und mit der Volksbewegung Katz und Maus gespielt. Zu keinem Monent ließen sie die Fäden aus der Hand und haben eine Konterrevolution wie fürs Lehrbuch durchgezogen. 

Wären nicht die Vereinigten Staaten so nah, könnte man darin auch die Zukunft Kubas erblicken. Ein paar Millionen Exilägypter warteten nicht ein paar Meilen vor der Küste. Aber vielleicht können die Kubaner sich ja friedlich wiedervereinigen...
JE



Mittwoch, 28. Juni 2017

Eine knappe Mehrheit für das bedingungslose Grundeinkommen.

aus ipsos, 13. Juni 2017

Jeder zweite Deutsche für bedingungsloses Grundeinkommen.

Hamburg, 13. Juni. Jeder zweite Deutsche (52%) ist für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nur jeder fünfte (22%) spricht sich dagegen aus, fast ebenso viele sind in dieser Frage unentschieden. Das ergab eine aktuelle länderübergreifende Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit hinter Serbien und Polen, wo 67 bzw. 60 Prozent der befragten Personen ein universelles Grundeinkommen befürworten.

Am wenigsten Fürsprache erhält das Grundeinkommen in Spanien (31%) und Frankreich (29%). Dort wird es von fast jedem zweiten Befragten abgelehnt (45% bzw. 46%). In den USA (je 38%) und in Großbritannien (33% Zustimmung, 38% Ablehnung) sind Zustimmung und Ablehnung nahezu gleichgroß.

Grundeinkommen als geeignetes Mittel gegen Armut

Sechs von zehn (59%) der Befragten in Deutschland glauben, dass mit einem Grundeinkommen die Armut in ihrem Land reduziert werden könnte, nur jeder achte Deutsche (13%) widerspricht.

Die Menschen in Kanada sind ähnlich optimistisch (61%), in den USA sind es 56 Prozent. In Belgien (54%). Großbritannien (51%) und Schweden (52%) gibt es leichte Mehrheiten für diese Ansicht. Allein die Franzosen sind in der vorliegenden Studie überaus skeptisch, 30 Prozent glauben nicht, dass ein Grundeinkommen die Armut in Frankreich reduzieren könnte.

Mehr Zeit für Familie und soziales Engagement

Die Mehrheit der Deutschen (61%) sind der Meinung, dass die Einführung eines Grundeinkommens ihnen die Möglichkeit geben würde, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Dass sich die Menschen durch ein Grundeinkommen häufiger in der Gemeinschaft engagieren würden, glaubt immerhin noch knapp die Hälfte (46%). Damit liegen die Deutschen in beiden Fragen über dem Durchschnittswert der zwölf untersuchten Länder. Allerdings sind viele Deutsche in ihrer Meinung auch noch unsicher, denn 30 bzw. 37 Prozent stimmen den Aussagen weder zu, noch lehnen sie diese ab.

Sinkende Arbeitsmoral bei Einführung eines Grundeinkommens

Potentielle Nachteile eines Grundeinkommens werden in Deutschland weniger häufig wahrgenommen als in anderen Ländern. Dennoch glaubt ein knappe Mehrheit der Deutschen (55%), dass ein Grundeinkommen die Menschen davon abhalten würde, einer Erwerbsarbeit nachzugehen oder sich diese zu suchen (weltweit 53%). Und fast jeder Zweite (47%) sieht die Gefahr, dass ein Grundeinkommen die Menschen abhängiger vom Staat machen würde (weltweit 58%).

Eine zunehmende Abhängigkeit vom Staat wird mit jeweils mehr als zwei Dritteln am stärksten in den USA (69%) und in Frankreich (67%) als negative Konsequenz gesehen. In diesen Ländern erwartet auch ein Großteil der Befragten, dass ein Grundeinkommen die Menschen davon abhalten wird, einer Erwerbsarbeit nachzugehen (USA: 63%, Frankreich (61%).

Deutsche bei der Finanzierung des Grundeinkommens vergleichsweise optimistisch

Vier von zehn Deutschen (42%) glauben, dass ein Grundeinkommen die Steuern auf ein unbezahlbares Niveau anheben würde (weltweit 49%). Knapp ein Viertel (24%) meint, dies hätte keine steuerliche Auswirkung (weltweit 19%). Damit ist Deutschland bezüglich der Finanzierbarkeit eines Grundeinkommens das optimistischste Land unter den G7-Staaten (Japan war nicht Teil der Erhebung).

Die größte Skepsis herrscht wiederum in Frankreich. Dort glauben fast zwei Drittel (63%), die Steuerlast würde durch ein Grundeinkommen untragbar. Auch in den USA und Großbritannien fürchtet noch ungefähr jeder zweite (56% bzw. 49%) ein unbezahlbares Steuerniveau.

Dr. Robert Grimm, Leiter Politik- und Sozialforschung: „Macht es frei, verringert es Armut und senkt die Abhängigkeit vom Staat?" Die Vor- und Nachteile eines bedingungslosen Grundeinkommens wurden in den letzten Jahren auf europäischer Ebene ausgiebig diskutiert. Die Schweizer lehnten es 2016 in einem Referendum ab, in Finnland wird es dieses Jahr mit einer signifikanten Anzahl von Probanden getestet. Deutsche Politiker und Experte sind hingegen eher skeptisch. Das bedingungslose Grundeinkommen liegt nach Meinung der SPD außerhalb der „ökonomischen Vernunft“  und auch Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, glaubt nicht, dass ein Grundeinkommen dazu beiträgt, die Chancengleichheit in Deutschland zu erhöhen. Die Deutschen selbst sind sich noch uneins. Wäre es vielleicht deshalb an der Zeit, eine solche Initiative in einem sozialen Experiment ordentlich zu evaluieren?“


Nota. - Dass die Debatte in die Breite geht, kann man nur begrüßen. Verständlich ist auch der grundsätzliche Pragmatismus in dieser Frage: "Probieren geht über studieren", sagt der gesunde Menschenverstand - und meint, man solle irgendwo einen großen Feldversuch durchführen. 

Nur ist gerade das unrealistisch. Bevor man auch nur theoretisch ein Experiment ins Auge fasst, sei es ein physikalisches, sei es ein soziales, müssen erst die Versuchsbedingungen festgestellt werden - die sachlichen Prämissen, unter denen der Versuch durchgeführt werden soll. Aber das bedingungslose Grundeinkommen würde ebendiese Prämissen selber verändern. Nur weiß man nicht, wie - denn  das sollte mit dem Feldversuch ja erst herausgefunden werden!

*

Das einstweilen geltende Gesellschaftsmodell geht davon aus, dass Wertschöpfung letzten Endes nur durch menschliche Arbeit geschieht. Die Öffentlichen Angelegenheiten können daher nur bezahlt werden durch einen Anteil an der gesamtgesellschaftlich erbrachten Arbeit. Auf Deutsch: Letzten Endes sind unsere Steuern ein Abzug vom Arbeitsertrag. Die Arbeit wird besteuert. 

Das Argument für das Grundeinkommen ist aber: In der Industrie 4.0 entstehen die - explosionsartig anwach- senden - Werte nicht länger aus der - schwindelerrend schwindenden - menschlichen Arbeit. Gewinne werden offenbar immer noch gemacht, aber sie sind kaum noch Resultat wirklicher gegenwärtiger Arbeit, sondern von Jahrhunderten vergangener Arbeiten, die in Wissenschaft und Technik vergegenständlicht sind. Nicht die lebendige Arbeit sollte besteuert werden, sondern die akkumulierte tote.

*

Angenommen, Schleswig-Holstein führte bei sich ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 € ein - diese Idee hat die Diskussion bei uns neu entfacht. Aus dem eigenen Steueraufkommen von Schleswig-Holstein werden sie es kaum bezahlen wollen noch können. Was wäre für die Finanzierbarkeit also erwiesen? Was wäre bewiesen, wenn ein paar Zehntausend erstmal für ein paar Monate - oder auch Jahre, wer weiß das schon - blaumachten? Wenn einer entscheiden kann, sein ganzes Leben der schönen Kunst oder dem Erkunden fremder Länder, der interesselosen Betrachtung, dem Lob seines Herrn oder womöglich der frohen Geselligkeit zu widmen, ohne sich über seinen Lebensunterhalt den Kopf zerbrechen zu müssen, ist das - eine ganz andere Welt. 

Das kann man nicht "einfach mal ausprobieren". Da muss man viel ausforschen, da muss man viel nachdenken, da wird man vor allem: viel streiten müssen. 

Aber zu all dem muss man sich erst einmal die Mittel geben. Und darum kann der Streit nicht früh genug und nicht breit genug geführt werden, denn schon das allein wird ordentlich was kosten.
JE


Dienstag, 27. Juni 2017

Keine Ehe für alle.


 
Der ursprüngliche Grund, die Ehe rechtlich und namentlich steuerrechtlich zu privilegieren, war der: Nur in der Ehe werden legitime Kinder geboren, die den Familienbesitz erben und vererben können. Eine Gesellschaft, die meinte, auf Familie und auf Eigentum zu gründen, konnte nicht anders entscheiden.

In Zeiten des anonymen Aktienkapitals, das von Angestellten verwaltet wird, steht das Erbrecht nicht mehr im Vor- dergrund. Es ist nicht einmal mehr die Regel, dass aus einer Ehe Kinder hervorgehen - und auch nicht die Regel, dass ein Kind aus einer Ehe hervorgeht.

Man könnte nun sagen: Streichen wir das Institut einfach, dann haben wir einen Zankapfel weniger. Denn einen Grund, das Zusammenleben von zwei Leuten, seien es Frauen, seien es Männer, steuerlich oder sonstwie zu privi- legieren, gibt es nicht: Das sind Privatangelegenheiten, die den Staat nichts angehen. Ein gemeinsamer Haushalt ist in der Regel ohnehin billiger.

Schon richtig, nur gibt es eben Lebensgemeinschaften von jeweils einem Mann und einer Frau, in denen tatsächlich Kinder geboren werden. Das Großziehen der Kinder muss allerdings von der staatlichen Gemeinschaft unterstützt werden. Und dass der Mann und die Frau zusammenbleiben, solange die Kinder minderjährig sind, verdient eben- falls öffentliche Förderung. Das hat mit dem Rechtsinstitut Ehe aber nichts zu tun.

Nun war die steuerliche Privilegierung der Ehe allerdings auch als Aufforderung zum Kinderkriegen gedacht: Der gemeinsame Haushalt sollte finanziell so gestellt sein, dass ein elementarer Hausstand, der für die Kinderaufzucht erforderlich ist, überhaupt erst eingerichtet werden konnte: eine "ursprüngliche Akkumulation". Aber auch dazu ist das Rechtsinstitut Ehe nicht unverzichtbar. So konnten in der DDR großzügige Familiendarlehen fruchtbar abge- kindert werden. Und auch im Westen kommen Kinder inzwischen viel zu oft ohne Rücksicht auf die wirtschaftlich-sozialen Lebensbedingungen zu Welt. Wenn andererseits Eheleute sagen, sie wollten ja Kinder haben, aber sie hätten noch nicht genug angeschafft, dann kann man die Kinder, die dort nicht zur Welt kommen, nur beglückwünschen.

Kurz und gut, man könnte ohne reellen gesellschaftlichen Schaden das Institut Ehe getrost abschaffen, für alle.


 

PS. - Dies vergaß ich hinzuzufügen: Dazu hielte auch ich eine Verfassungsänderung für angezeigt.
JE




Kein Ende der Migrationen - im Gegenteil.

Blick auf einen Teil des Mississippi-Deltas. Allein dieses wird durch den Meeresspiegelanstieg in den nächsten 50 Jahren rund 5.000 Quadratkilometer Landfläche verlieren.
aus scinexx                                                                                                                           im Mississipi-Delta

Zwei Milliarden Klimaflüchtlinge bis 2100?
Steigende Meeresspiegel könnten Massenflucht aus Küstengebieten auslösen

Massenhafte Küstenflucht: Bis zum Jahr 2100 könnte ein Fünftel der Weltbevölkerung zu Klimaflüchtlingen werden – wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht. Denn die steigenden Meeresspiegel könnten dann eine Massenflucht aus den dicht bevölkerten, aber zunehmend überfluteten Küstenregionen auslösen. Bereiten sich die Länder darauf nicht vor, könnten nutzbare Flächen im Landesinneren knapp werden, warnen Forscher.

Dass es in Zukunft immer mehr Klimaflüchtlinge geben wird, ist nicht neu. Bereits im Jahr 2010 waren weltweit 42 Millionen Menschen auf der Flucht vor klimabedingten Naturkatastrophen – Tendenz stark steigend. Die Gründe sind dabei vielfältig: Vor Kurzen erst warnte die UN, dass allein der zunehmende Landverlust durch Bodenerosion in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Menschen zu Flüchtlingen machen wird. Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas könnte zudem schlicht zu heiß für eine Besiedlung werden. 

Ozean frisst Küstengebiete 

Doch dies ist noch nicht alles, wie Charles Geisler von der Cornell University und Ben Currens von der Kentucky University erklären. Denn wie sie ermittelt haben, könnten vor allem die steigenden Meeresspiegel eine wahre Völkerwanderung auslösen. "Bisher hat die Menschheit beträchtliche Mühe darauf verwendet, den Meeren neues Land abzuringen", erklärt Geisler. "Aber jetzt müssen sie mit dem Gegenteil leben – die Ozeane erobern weite Landflächen unseres Planeten zurück." 


Besonders von Überschwemmungen bedroht sind schon heute gerade die dicht besiedelten und fruchtbaren Küstenniederungen und Flussdeltas. Geht der Klimawandel ungebremst weiter, könnten bis 2100 weite Teile dieser Flächen überflutet oder zumindest von regelmäßigen Sturmfluten bedroht sein, sagen die Forscher.

Massenexodus aus den Küstengebieten

"Jüngste Forschungen deuten darauf hin, dass der globale Meeresspiegelanstieg die niedrig liegenden Küstengebiete schneller als erwartet gefährden wird", so Geisler und Currens. "Dies wird die Küstengeografie verändern, die bewohnbare Landmasse verringern und signifikante Migration aus den Küstengebieten heraus auslösen." Vom Meer vertrieben müssen die Küstenbewohner weiter ins Inland ausweichen, möglicherweise wird es sogar Massenumsiedlungen und Evakuierungen geben.

Der Ballungsraum Shenzen in China liegt direkt an einem Flussdelta

Hinzu kommt: Bis 2100 werden die Ballungsräume entlang der Küsten noch dichter besiedelt sein als heute. Nach Schätzungen der UN könnte die Weltbevölkerung bis 2050 auf neun Milliarden Menschen anwachsen, bis 2100 könnten es elf Milliarden sein. Geisler und Currens schätzen, dass bis zum Jahr 2060 bereits 1,4 Milliarden Menschen zu Klimaflüchtlingen werden könnten. Bis zum Jahr 2100 könnten es im Extremfall zwei Milliarden werden – knapp ein Fünftel der gesamten Menschheit.

Wird nutzbares Land knapp?

Das Problem: Die Flächen im Landesinneren sind begrenzt. Ein Teil davon ist für eine Besiedlung oder Bebauung ungeeignet – beispielsweise, weil sie zu gebirgig sind. Ein weiterer Anteil ist zu trocken und durch Desertifikation nicht bewohnbar und auch nicht als Anbaufläche nutzbar. Auch dort, wo schon Ballungsräume liegen und die Landschaft weitgehend zersiedelt und bebaut ist, bleibt nur wenig Raum für die einwandernden Küstenbewohner. 

"Wir werden schneller, als uns lieb ist, mehr Menschen auf immer weniger Land haben" sagt Geisler. Er und sein Kollege schätzen, dass rund ein Drittel der globalen Landfläche nicht ohne weiteres besiedelbar oder nutzbar ist. Die Konkurrenz um Land und die Landnutzung könnte sich daher erheblich verschärfen. Denn um die Menschen zu ernähren, werden auch künftig große Landflächen für die Landwirtschaft benötigt.

Beste Vorbeugung ist Klimaschutz

Er und sein Kollege appellieren an die Länder, frühzeitig Strategien für die kommende Verlagerung der Bevölkerung weiter landeinwärts zu entwickeln. Tatsächlich haben einige Regionen, darunter der US-Bundesstaate Florida bereits Pläne dazu, wie ein zunehmender Einstrom von Menschen ins Inland künftig aufgefangen werden kann. 

Noch allerdings könnte das Extremszenario abgewendet werden - durch entschiedenen Klimaschutz. "Wir stehen unter Druck, die Treibhausgas-Emissionen auf heutigen Niveau zu halten", sagt Geisler. "Das ist die beste Versicherung gegen den Klimawandel, den Meeresspiegelanstieg und die katastrophalen Konsequenzen, die den Küsten, aber auch dem Landesinneren in Zukunft drohen könnten." (Land Use Policy, 2017; doi: 10.1016/j.landusepol.2017.03.029)
(Cornell University, 27.06.2017 - NPO) 


Nota. -  Das ist etwas anderes als der Flüchtlingsstrom von 2015. Da ging es ums Asylrecht; um politische Verfolgung und um humanitäre Katastrophen. Da kann man immer noch hoffen, dass uns die irgenwann erspart bleiben. Denn das Asylrecht ist ein Grundrecht, das kann man nicht nach oben begrenzen. Da müsste man sich schon darauf verlassen können, dass die Nachbarn mithelfen.

Hier ist aber die Rede von einer historischen Migration. Das ist keine Sache der Grundrechte, sondern des bloßen Menschenverstands, dass wir uns darauf vorbereiten müssen - um die Ströme womöglich so zu lenken, dass die aufnehmenden Länder gar einen Vorteil davon haben. Das ginge von Anfang an nur im Zusammenwirken der europäischen Nachbarn, denn zu uns werden sie drängen. Ob es realistischer Weise eine europäische Obergrenze geben kann (Wo sollten denn die hin, die nicht zu uns dürften?), wird man sehen müssen, aber es ist keine Sache des Rechts, sondern der tatsächlichen Möglichkeiten. Dass die Flüchtlingsströme in Europa je nach aktueller Zumutbarkeit gelenkt werden müssen, liegt auf der Hand - und dass grundsätzlich ein Land das Recht haben muss zu sagen: Im Augenblick geht nicht mehr. Dass es im konkreten Fall Meinungsverschiedenheiten geben wird, auch.

Übrigens: Selbst dass man die, die zuviel sind, an den Grenzen nicht einfach abknallen kann, ist keine Frage des guten oder bösen Herzens, sondern ein Sache des kühlen Verstandes: Dann stünde die Welt in Flammen, und von einer internationalen Friedensordnung dürfte nichtmal mehr geträumt werden.
JE


Sonntag, 25. Juni 2017

Hat ers nicht verstanden oder pfeift er im Wald?



Angela Merkel und der CDU einen "Anschlag auf die Demokratie" vorzuwerfen, weil sie um der "asymmetrischen Demobilisierung" willen eine Debatte um die großen Zukunftsfragen der Nation verweigere, ist Wahlkampfgetöse in unpassend schrillem Ton. Dramatisch ist nur die Lage der SPD, nicht die Deutschlands. Wenn er dagegen vom Durchwursteln spricht, trifft er den entscheidenden Punkt - aber von der falschen Seite. Er hat nicht begriffen, dass Angela Merkels Stärke darin liegt, dass sie Politik nach Hausfrauenart glaubhaft macht in einer historischen Situation, wo alles andere wahnwitzig wäre.

Für die gegenwärtige volatile Weltlage gibt es keinen Vorläufer, an dem man sich orientieren könnte, und das gilt nicht nur für die machtpolitischen Konstellationen, sondern für die Zukunft der kapitalistischen Wirtschaftsordnung selbst. (Zum Thema digitale Revolution hat sich Frau Merkel übrigens früher vernehmen lassen als die SPD und Schulz.) In der unübersichtlichen Gemengelage der Tagesgeschäfte ist Sichtflug das einzig Realistische, und es kommt darauf an, dass man dem, das heißt in diesem Fall: der vertrauen kann, die das Ruder hält. Zugeben wird das kaum einer, aber das ist zweifellos der Grund, warum Angela Merkel auch im kommenden September wiederge- wählt wird.


*

Damit ist eigentlich alles gesagt, was zum SPD-Parteitag zu sagen nötig ist. Zum Überfluss füge ich hinzu: Die deutschen Wähler haben in dem Punkt völlig recht. Nicht nur wissen wir, dass wir uns auf Mutti verlassen können; wir wissen auch, warum: weil sie nämlich in der alles entscheidenden Zukunftsfrage der Nation längst klar und deutlich... nein, nicht gesagt, sondern praktisch vorgeführt hat, wo ihre Vision hingeht: Europa starkmachen in der Welt, und das muss sich Deutschland notfalls etwas kosten lassen, weil es sich das mehr als andere leisten kann. 

Es war das Flüchtlingsthema, Herr Schulz, an dem die ganze Welt erkannt hat, wofür Frau Merkel steht und worauf sie hinauswill. Wenn Sie ein ehrlicher Mann wären, hätten Sie das in Ihrer heutigen Rede sagen müssen, aber dann würden Sie nicht mehr gegen sie kandidieren können. Also beschwören Sie ein Attentat auf die Demokratie herauf. Das ist jämmerlich und verdirbt die Sitten.. 

Dass Sie's nicht verstanden hätten, glaube ich eigentlich nicht. Es bleibt Ihnen nur nichts anderes mehr übrig und Sie pfeifen im Wald.