Rollen für Markt wie auch Staat
Suche nach den Gründen für die frappanten Entwicklungsunterschiede in Asien
Suche nach den Gründen für die frappanten Entwicklungsunterschiede in Asien
Landreform für die Bauern, staatlich gelenkter
Aufbau der Industrie und ein Finanzsektor im Dienste der Landwirte und
Industriefirmen: Das sind laut Joe Studwell die Kernelemente asiatischer
Erfolgsgeschichten.
hus. · Weshalb haben
die reichsten Länder wie die Schweiz einen 50- bis 100-mal so hohen
Wohlstand wie die ärmsten Nationen? Solche Fragen bleiben faszinierend.
Seit Jahrhunderten fahnden die Gelehrten nach den Haupttreibern
wirtschaftlicher Entwicklung, doch manche Antworten bleiben kontrovers.
Geografie, Kultur, Institutionen, freie Märkte, Wettbewerb und Bildung
sind oft genannte Stichworte in dieser Debatte. Die Reduktion auf
einzelne Faktoren dürfte der Realität allerdings kaum je gerecht werden.
Schnelle und Lahme
Der in England wohnhafte Publizist
und Asienexperte Joe Studwell hat dieses Jahr eine lesenswerte Analyse
zu den frappanten Entwicklungsunterschieden in Asien vorgelegt. Das Buch
lebt von den Vergleichen dreier Erfolgsgeschichten (Japan, Korea und
Taiwan) mit einigen relativen Misserfolgen (Indonesien, Malaysia,
Philippinen, Thailand), während China dazwischen liegt und wegen seiner
Grösse eine Sonderbehandlung erhält.
1950 war der Wohlstand in Korea und Taiwan etwa gleich hoch wie in Thailand und Indonesien, doch heute sind Korea und Taiwan zwei- bis fünfmal so reich wie die Vergleichsstaaten. Laut Studwell haben die Erfolgsländer vor allem drei Dinge besser gemacht als die andern: eine konsequente Landreform für die Bauern, einen staatlich relativ geschickt gelenkten Industrieaufbau sowie die «Erziehung» des Finanzsektors, damit dieser günstige Kreditmittel in Landwirtschaft und Industrie lenkt. Die Erfolgsländer verteilten laut Studwell konsequenter Land von Grossgrundbesitzern auf kleinere Bauern um (die potenziellen Kosten der Enteignungen sind nur am Rande erwähnt). In Japan geschah dies schon im 19. Jahrhundert, in Korea und Taiwan nach dem Zweiten Weltkrieg.
1950 war der Wohlstand in Korea und Taiwan etwa gleich hoch wie in Thailand und Indonesien, doch heute sind Korea und Taiwan zwei- bis fünfmal so reich wie die Vergleichsstaaten. Laut Studwell haben die Erfolgsländer vor allem drei Dinge besser gemacht als die andern: eine konsequente Landreform für die Bauern, einen staatlich relativ geschickt gelenkten Industrieaufbau sowie die «Erziehung» des Finanzsektors, damit dieser günstige Kreditmittel in Landwirtschaft und Industrie lenkt. Die Erfolgsländer verteilten laut Studwell konsequenter Land von Grossgrundbesitzern auf kleinere Bauern um (die potenziellen Kosten der Enteignungen sind nur am Rande erwähnt). In Japan geschah dies schon im 19. Jahrhundert, in Korea und Taiwan nach dem Zweiten Weltkrieg.
Joe Studwell: How Asia Works. Profile Books, London 2013. 322 S.
Solche Landreformen, verbunden mit
staatlicher Unterstützung im Zusammenhang mit Krediten, Marketing und
Training, steigerten laut dem Autor die Produktion innert 10 bis 15
Jahren typischerweise um 50% bis 75% und lieferten damit auch die Basis
für den späteren Industrieaufbau. Der «Preis» dafür, die höhere
Arbeitsintensität, war in dieser Lesart weniger ein Preis als eher ein
weiterer Vorteil, da der Schritt von der extensiven Grosslandwirtschaft
zur intensiven Bearbeitung überschüssige Arbeitskräfte absorbiert habe.
Auf viel beackertem Terrain bewegt sich der Autor in seiner Besprechung
der Industriepolitik. Besonders seit dem Aufstieg Japans hat die Rolle
von Staat und Markt beim Industrieaufbau viele Kontroversen ausgelöst,
und das Buch liefert genug Futter, um Staatsgläubige wie auch
Marktanhänger zu ärgern. Die Kernbotschaft lautet, dass die staatliche
Lenkung beim Industrieaufbau in jenen Ländern Erfolg brachte, die
staatliche Unterstützung (Marktabschottung, direkte Subventionen,
verbilligte Kredite) mit Marktdisziplin (Exportvorgaben sowie Wettbewerb
im Inland) verbanden.
Aktivistische Industriepolitik
Dass der Staat beim Aufbau von
Industrien Geburtshilfe leistet, ist keine asiatische Erfindung. Die
Briten hatten es schon ab dem 16. Jahrhundert vorgemacht, die USA
machten es später nach, dann übernahm Preussen bzw. Deutschland solche
Ideen, was später Japan inspirierte, das seinerseits ein Vorbild für
Korea und China abgab.
Eine aktivistische
Industriepolitik ist nicht gratis. Eine Folge davon sind überhöhte
Preise für inländische Konsumenten und tiefe Realrenditen für
inländische Sparer. Hinzu kommt das Risiko staatlicher Korruption. Zum
Preisschild zählt auch die Gefahr, dass ein Land nach erfolgtem
Industrieaufbau das Umschalten auf eine liberalere Politik verpasst -
was nach Ansicht des Autors namentlich für Japan gilt. Es gibt fraglos
Marktversagen, doch die Wirtschaftsgeschichte ist wohl noch reicher an
Beispielen mit Staatsversagen.
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