Montag, 12. März 2018

Start-ups ohne Bankkapital.

  Innovative Start-Ups waren in der Kaiserzeit häufig börsenfinanziert
Katja Bär
Pressestelle: Kommunikation und Fundraising
Universität Mannheim 

09.03.2018 10:45 

Der Mannheimer Wirtschaftshistoriker Jochen Streb erhielt gestern gemeinsam mit Sibylle Lehmann-Hasemeyer von der Universität Hohenheim den Schmölders-Preis 2018 für ihre Forschung über die Finanzierung von Innovationen im deutschen Kaiserreich.

In dem gemeinsam verfassten Paper The Berlin Stock Exchange in Imperial Germany - A Market for New Technology? gehen die Wissenschaftler der Frage nach, wie innovative deutsche Unternehmen des späten 19. Jahrhunderts an der Berliner Börse ihre neuartigen Geschäftsideen finanzieren konnten. ...

Ihre gemeinsame Studie zeigt, dass die Finanzierung von Innovationen durch den Verkauf von Beteiligungen keineswegs eine neuartige Entwicklung des späten 20. Jahrhunderts ist. Ganz im Gegenteil: wer im Kaiserreich mit einer neuen Idee an die Börse ging, hatte gute Chancen, dort über Aktien das nötige Kapital zu sammeln. Für Gründer war die Berliner Börse somit eine wichtige Finanzierungsquelle, so das Ergebnis der Studie. Bislang galt vielmehr das deutsche Bankensystem als die treibende Kraft hinter dem Wachstum der deutschen Industrie.

Dabei wussten die Start-Ups der Kaiserzeit von ihrer Innovationsfähigkeit durch Patente zu überzeugen: Von insgesamt 474 Unternehmen, die zwischen 1892 und 1913 an die Berliner Börse gingen, besaßen fast vierzig Prozent entweder bereits vor dem Börsengang Patente oder erwarben diese innerhalb von fünf Jahren danach. Das Erlangen von Patenten wird als Zeichen der Innovationsfähigkeit gewertet.

Sibylle Lehmann-Hasemeyer and Jochen Streb: The Berlin Stock Exchange in Imperial Germany: A Market for New Technology?, American Economic Review 2016, Vol. 106(11), 3558-3576.

Kontakt:
Prof. Dr. Jochen Streb
Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte
Abteilung Volkswirtschaftslehre
Universität Mannheim
Tel: +49 621-181-1932
streb@uni-mannheim.de

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