Dienstag, 25. Juni 2019

Heut vor zehn Jahren.


Warum hier bei Öffentlichen Angelegenheiten, warum nicht auf Geschmackssachen?

Er war nicht bloß eine Geschmackssache, sondern eine öffentliche Angelegenheit.

Ich atme tief durch und sage: Er war der bedeutendste Künstler des zwanzigsten und der erste des einundzwan- zigsten Jahrhunderts. Ich sage nicht 'der größte', denn das wäre wirklich Geschmackssache und ließe sich kaum irgendwie objektivieren. Aber kulturgeschichtlich bedeutsam war in den vergangnen hundert Jahren kein anderer Künstler wie er, nicht einmal Charlie Chaplin; das lässt sich objektivieren, nicht bloß mit Umsatzzahlen und Publi- kumsimpakt, sondern auch mit öffentlichem Gerede.


Nein, die Kindesmissbrauchgerüchte verschweige ich nicht, wie andere Gedächtnisredner am heutigen Tag. Im Gegenteil, sie machen in ihrem Ausmaß ja einen Gutteil meiner Behauptung aus: bedeutendster Künstler des ver- gangenen Jahrhunderts.

Unumstritten war er nie, dann hätte er's auch gar nicht unter die ganz Großen geschafft. Und schon gar nicht wäre er auch postum der Größte geblieben, wenn man ihm nur eine #MeToo-Lappalie oder Steuerhinterziehung nachsa- gen würde. Es muss schon das sein, was zu unserer Zeit durch nichts zu überbieten ist.





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